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Kolumbien: Enorme Mobilisierung für den Frieden

Großdemonstration "für Frieden mit sozialer Gerechtigkeit". Unterstützung des Friedensdialoges. Teilnahme von Präsident Santos umstritten
Plaza de Bolívar

Demonstranten auf dem "Plaza de Bolívar" am 9. April

Bogotá. Rund 1,2 Millionen Menschen haben am vergangenen Dienstag hauptsächlich in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá für die Unterstützung des Friedensdialoges demonstriert. Die Demonstration sei "überwältigend" gewesen, sagte die Sprecherin der linken Bewegung Marcha Patriótica, Piedad Córdoba. Nicht nur Einwohner der Stadt sowie Studentenorganisationen und Gewerkschaften haben an der Mobilisierung teilgenommen. Afrokolumbianer, Indigene und Kleinbauern von 2.000 sozialen Organisationen haben bis zu zwei Reisetage aus verschiedenen entfernten Regionen des Landes auf sich genommen, um in der Hauptstadt "Frieden mit sozialer Gerechtigkeit" zu fordern.

Ziel der Kundgebung war auf der einen Seite, den Befürwortern des Krieges und Förderern des Militarismus entgegenzutreten, die sich für das Scheitern des Friedensdialoges einsetzen. Bekanntester Vertreter dieser Gruppen ist der Ex-Präsident Álvaro Uribe. Auf der anderen Seite verlangten die Demonstranten auch klare Friedenstaten der Regierung Santos, wie zum Beispiel einen Waffenstillstand.

Piedad Córdoba erinnerte außerdem daran, dass die Guerillas nicht die Ursache, sondern die Konsequenz der Gewalt seien, die der Mord an dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán vor exakt 65 Jahren, am 9. April 1948, ausgelöst hat. Gaitán vertrat die Interessen der Kleinbauern und einfachen Leute.

Zur Demonstration aufgerufen wurde ursprünglich von der Bewegung Marcha Patriótica, mit der Unterstützung von Basisorganisationen wie dem "Kongress der Völker" und progressiven Persönlichkeiten wie dem Bürgermeister von Bogotá, Gustavo Petro, oder Angehörigen der Grünen Partei. Die Marcha Patriótica ist seit ihrer Gründung durch Regierungsfunktionäre wie dem Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón, den Massenmedien und dem Ex-Präsidenten Uribe als "politischer Arm" der FARC-Rebellen stigmatisiert worden. Deshalb überraschte, dass auch Präsident Juan Manuel Santos die Mobilisierung unterstützte und sich im letzten Moment ihr sogar angeschlossen hat.

Friedensdemonstrantinnen

Die Senatorin Gloria Inés Ramírez und die Aktivistin Piedad Córdoba bei der Friedensdemonstration

"Wir wollen, dass möglichst alle sich für den Frieden mobilisieren, allerdings befürchten wir, dass der Präsident die Mobilisierung ausnutzt, um sich politische Unterstützung für die nächsten Präsidentschaftswahlen zu sichern", sagte einer der Sprecher der Marcha Patriótica, Andrés Gil. Santos solle zum Beispiel erklären, ob er weiterhin Panzer zu kaufen gedenkt, so Gil weiter. Der "Kongress der Völker" hat die Aktion des Präsidenten als "opportunistisch" bezeichnet.

Andererseits hätte das kolumbianische Regierungsoberhaupt durch seine Teilnahme an der Kundgebung die Stigmatisierung der Bewegung entkräftet und ein resoluteres Zeichen gegen die Gegner des Friedensdialogs  gesetzt, so das Nachrichten-Portal La Silla Vacía. Piedad Córdoba wies unlängst auf eine innere Spaltung des Militärs hin. Sie sagte, sie fürchtet um das Leben des Präsidenten. Auch Santos selbst äußerte, dass es eine Propagandakampagne innerhalb der Streitkräfte gäbe, um die Soldaten und Offiziere glauben zu machen, dass sie die ersten Verlierer eines eventuellen Friedens wären.

Die Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) haben am 18. Oktober 2012 in Oslo begonnen. Sie sollen zu einem Ende des fast 50 Jahre andauernden internen bewaffneten Konflikts führen.

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14.04.2013 Nachricht von Benjamin Grasse