Kolumbien / Politik

Parallelen zwischen Neonazis und Paramilitärs

Neonazi-Gruppen geben Gemeinsamkeiten mit den Paramilitärs zu. Nähe des Generalsstaatsanwalts Ordóñez zu nationalsozialistischem Ideologen

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Treffen der "Dritten Kraft" im Jahr 2011 in Bogotá
Treffen der "Dritten Kraft" im Jahr 2011 in Bogotá

Bogotá. Der Radiosender RCN hat Interviews des Journalisten Jorge Espinosa mit Neonazis veröffentlicht, die in Kolumbien für Aufregung gesorgt haben.

Ein Mitglied der "Sozialistischen Union Kolumbiens" sagte dabei, Hitler sei ein tapferer Mensch gewesen, "der für die Unabhängigkeit seines Landes, Deutschland, gekämpft hat". Er teile ebenso "Hitlers Hass" gegen die "Homosexuellen, die Prostituierten, die Juden und die Mischung von Rassen". Laut dem Neonazi hätte es keinen Holocaust gegeben und die Konzentrationslager seien in Wirklichkeit Arbeitslager gewesen, wo die Juden arbeiten mussten, um zu kompensieren, dass sie sich auf Kosten Deutschlands bereichert und das Land komplett ausgesaugt hätten.

Auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen den Neonazis und den Paramilitärs leugnete der Interviewte, "eine direkte Finanzierung" von ihnen zu bekommen. Der Rechtsextremist fügte allerdings hinzu, dass "es genial wäre, mit ihrer Unterstützung zu rechnen". Er räumte gleichfalls ein, dass die Paramilitärs "ein ähnliches Gedankengut wie wir haben", denn "sie sind auch gegen die Guerilla". Bereits im Jahr 2002 sagte der Paramilitär und Neonazi Raúl Hernández, dass Bauern nicht getötet würden, "weil sie Yucca anbauen, sondern weil sie Mitglieder der Guerilla sind", zitierte ihn der Kolumnist der Zeitschrift Semana Daniel Coronell.

Espinosa erklärte, es gebe in Kolumbien zehn Organisationen, die sich selbst als nationalsozialistisch bezeichneten und nach Schätzungen circa 600 aktive Mitglieder zählten. Der Journalist betonte, dass die Neonazis militärisch trainiert würden. In den letzten Monaten haben diese Gruppen vor allem in Bogotá linke Jungendliche sowie Mitglieder der Gemeinschaft der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen attackiert.

Neben der "Sozialistischen Union Kolumbiens" sei die "Dritte Kraft" eine wichtige Organisation der Neonazis. Sie habe die Vorkandidatur des Rektors der Universität La Gran Colombia, José Galat, zu den vergangenen Präsidentschaftswahlen unterstützt, so Espinosa. Der Journalist konnte des Weiteren feststellen, dass der ermordete Paramilitär Juan de Jesús Pimiento zumindest einem Treffen für Galats politische Kampagne beigewohnt hatte.

Pimiento sei überhaupt eine zentrale Figur für die "Dritte Kraft" gewesen, so Quellen von Espinosa. Gleichzeitig hätte Pimiento eine wichtige Rolle in den ehemaligen paramilitärischen "Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens" (AUC) gespielt. Der Paramilitär sagte in dem Dokumentarfilm "Gesetzloses Gefängnis", dass die AUC auf einer "Ethik der Disziplin, Ordnung und Arbeit" basiere, die den Staat unterstütze. Die AUC "will nicht die Institutionen zerstören, sie befürwortet das ökonomische Modell und das System, in dem wir leben", so Pimiento.

Auch der von der "Dritten Kraft" verehrte verstorbene Soziologe Armando Valenzuela Ruiz,  hatte enge Verbindungen zum Paramilitarismus. In seinen Werken huldigte Valenzuela den Ideen des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus. Die "Dritte Kraft" schreibt über ihn, er sei "die bemerkenswerteste und reinste Person der Generation der Mitte des letzten Jahrhunderts gewesen". Valenzuela gründete Ende der Achtziger mit dem Paramilitär-Chef Iván Ernesto Duque, auch als Ernesto Báez bekannt, und dem heutigen Vorsitzenden des "Komitees der Opfer der Guerilla“", Fernando Vargas Quemba, die Partei MORENA, die als politischer Arm der Paramilitärs fungiert hat.

Besonders gravierend findet der Kolumnist Daniel Coronell die Entdeckung, dass der aktuelle Generalstaatsanwalt für Zivil- und Verwaltungsfälle, Alejandro Ordóñez, in den Siebzigern gemeinsam mit Valenzuela politische Aktivitäten durchgeführt hat. Ordóñez gehöre zu einer katholischen Gemeinschaft von "Lefebvristen", die den Holocaust leugnen. Ob er selber den Holocaust leugnet, weigerte sich Ordóñez dem Schriftsteller und Journalisten Héctor Abad Faciolince bei einem Interview zu beantworten.

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