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Ist Venezuelas Präsident Maduro ein Kolumbianer?

Skurrile Angriffe von rechtem Diplomaten und der Opposition in Venezuela. Maduro: "Zeit nicht mit Verrückten verlieren"

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Präsident Nicolás Maduro
Präsident Nicolás Maduro

Caracas/Bogotá. In Venezuela läuft eine skurrile Debatte um die Staatsbürgerschaft des Präsidenten Nicolás Maduro. Grund ist ein Auftritt

desEx-Botschafter Panamas bei der Organisation Amerikanischer Staaten, Guillermo Cochez. Der Diplomat hatte eine angebliche Geburtsurkunde von Nicolás Maduro auf seiner Seite beim Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. In dem Dokument steht, dass der venezolanische Präsident in der nordwestkolumbianischen Stadt Cúcuta geboren sei. Laut diesem Dokument wäre Maduro ein kolumbianischer Bürger und dürfte folglich nicht Präsident von Venezuela sein.

Das Nationale Registeramt Kolumbiens erklärte inzwischen jedoch, dass die von Cochez präsentierte Urkunde falsch sei. Ihre Identifikationsnummer gehöre einem anderen kolumbianischen Bürger. Das Dokument entspreche außerdem nicht dem rechtsmäßigen Format seiner Behörde, versicherte der Direktor der Identifizierungsabteilung des Nationalen Registeramts. Es fehlten Informationen, die für die kolumbianischen Geburtsurkunden üblich seien, nämlich ein serieller Kode und der Landbezirk des Geburtsorts.

Das Dokument sei darüber hinaus von einem Beamten erstellt worden, der zum Erstellungsdatum nicht mehr im Nationalen Registeramt gearbeitet hat, weil er in Rente sei. Zudem beinhaltet das von Cochez verbreitete Schriftstück die Blutgruppe Maduros. Allerdings sagen Experten, dass die kolumbianischen Geburtsurkunden der sechziger, als Maduro geboren wurde, diese Information nicht zeigten.

In seiner Internetsendung "Venezuela somos todos" hat der unterlegene Präsidentschaftskandidat der Opposition, Henrique Capriles, Präsident Maduro dennoch aufgefordert, seine Geburtsurkunde zu veröffentlichen. "Nicolás, ich frage Dich: Wo bist Du geboren? Die Venezolaner haben Zweifel. Wirst Du auch dazu lügen? Das venezolanische Volk will es wissen", heißt es in dem Text. Und weiter: "Wenn Du in einem anderen Land geboren wurdest, hast Du gegen die Verfassung verstoßen".

Das Gerücht über eine ausländische Bürgerschaft Maduros  kursierte bereits mehrfach in den oppositionellen Kreisen sowie in der kolumbianischen und venezolanischen Presse und wurde im Laufe des letzten Präsidentschaftswahlkampfs wieder aufgewärmt.

Maduro wies die Äußerungen von Cochez zurück. Der venezolanischen Rechten sei es nicht gelungen, die Bolivarianische Revolution durch Putsche noch bei Wahlen zu zerstören. "Und jetzt erfinden sie Sachen von Verrückten", äußerte das Staatsoberhaupt hierzu am Rande des ALBA-Gipfels in Guayaquil. "Ich wäre stolz, wenn ich in Cúcuta geboren worden wäre. Ich wäre stolz darauf, Kolumbianer zu sein" sagte Maduro. "Ich bin aber in Caracas geboren, dort bin ich auch aufgewachsen".

Der venezolanische Präsident plädierte dafür, "die Zeit nicht mit Verrückten zu verlieren" und äußerte ironisch sein Bedauern darüber, dass sich die Falschheit von Cochez Bekanntmachungen herausgestellt hat. "Ich war schon dabei, für die Präsidentschaft in Kolumbien zu kandidieren. Jetzt kann ich das wohl nicht mehr machen."

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