Ecuador: Indigene Basis für Dialog mit Regierung

Zehntausende Indigene beim "Dialog für das Gute Leben" mit Präsident Rafael Correa

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Mehr als 30.000 Indigene der Sierra Central kamen zum "Dialog für das Gute Leben"
Mehr als 30.000 Indigene der Sierra Central kamen zum "Dialog für das Gute Leben"

Riobamba, Ecuador. Mit einer großen Mobilisierung haben die indigenen Gemeinschaften der zentralen Andenprovinzen Ecuadors ein Zeichen für den Dialog mit

der Regierung gesetzt. Auf Einladung dreier indigener Organisationen kamen am 29. August mehr als 30.000 Indigene der Sierra Central zum "Dialog für das Gute Leben" im Stadion von Riobamba. Bei der Veranstaltung wurde Präsident Rafael Correa ein detaillierter Forderungskatalog zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den ländlichen Gemeinschaften übergeben.

In ihren Reden betonten die indigenen Führer Manuel Ainaguano, Juan Cando und Delia Caguana die dringende Notwendigkeit von Bewässerungsprojekten sowie von weiteren Maßnahmen zur Unterstützung der indigenen Bauern, wie besseres Saatgut, Kredite und technische Hilfe, um die Produktivität der Parzellen zu steigern. Nur so könne der Migration in die Städte Einhalt geboten werden. Die Redner erkannten die Fortschritte im Schul- und Gesundheitswesen und bei den zentralen Verkehrswegen an, wiesen aber auch auf viele Defizite hin, wie beispielsweise beim Ausbau der Gemeindewege. Viel Beifall gab es für die Forderung, den Transport von Personen auf der Ladefläche von Lastwagen (transporte comunitario) dort zu erlauben, wo aufgrund der schlechten Straßenqualität keine Busse verkehren.

Alle Redner unterstrichen die Bedeutung des Dialogs, um den Anliegen der indigenen Gemeinschaften bei der Regierung Gehör zu verschaffen. Gleichzeitig wurde Kritik an der Haltung der nationalen Indigenenorganisationen CONAIE und ECUARUNARI laut, die jegliche Zusammenarbeit mit der Regierung ablehnen. Delia Caguana warf den Führern dieser Organisationen vor, in Quito lebend den Kontakt mit der Basis verloren zu haben und deren Bedürfnisse außer Acht zu lassen. Manuel Ainaguano erklärte, es sei an der Zeit, dass die Führer der nationalen Organisationen ihre abgehobene Position aufgäben, um zusammenzuarbeiten und das Land voranzubringen.

Weitere Themen waren der Respekt für die indigene Rechtsprechung und eine Amnestie für die unlängst zu Haftstrafen verurteilten indigenen Führer. Juan Cando sprach sich außerdem für die Erhaltung der lokalen Dorfschulen aus.

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Ecuadors Präsident Rafael Correa im Stadion von Riobamba
Ecuadors Präsident Rafael Correa im Stadion von Riobamba

Präsident Correa ging in seiner Antwort auf die einzelnen Forderungen ein. Trotz der Fortschritte in vielen Bereichen bliebe noch viel zu tun. Zugleich warnte er davor, Armut mit indigener Kultur zu verwechseln.

Der Personentransport mit Lastwagen müsse vorerst noch toleriert werden, aber das Ziel sei, regulären Bussen den Zugang zu ermöglichen. Erst dann könne von einem echten "transporte comunitario" die Rede sein. Für den Ausbau des Straßennetzes werden längerfristig 100 Milliarden Dollar benötigt. Ein Großteil davon solle in die Verbesserung der Gemeindewege fließen, damit Bauern ihre Produkte auf den lokalen Markt bringen und Krankenwagen und Schulbusse die Dörfer erreichen können.

Correa widersprach der Forderung von Juan Cando, die Dorfschulen zu erhalten. Diese seien ein Zeugnis der Armut, nicht der Tradition. Die Schüler sollten in größeren, komplett ausgestatteten Schulen unterrichtet werden. Ebenso sei es nicht möglich, in jedem Dorf einen Gesundheitsposten zu errichten. Effizienter sei es, in ein ausgebautes Kommunikationsnetz und ein gutes System für den Krankentransport zu den strategisch verteilten Gesundheitszentren zu investieren. Der Präsident erinnerte daran, dass laut Verfassung die indigene Rechtsprechung für die Lösung innerkommunitärer Konflikte zuständig sei. Schwere Straftaten wie Vergewaltigung und Mord müssten jedoch weiterhin der allgemeinen Justiz vorbehalten bleiben. Die Regierung habe aber das Verfassungsgericht darum gebeten, die genauen Grenzen zwischen indigener und allgemeiner Rechtsprechung festzulegen.

Correa wiederholte seine Angebot, die unlängst verurteilten indigenen Führer zu begnadigen, falls die Familie des gewaltsamen Protesten zum Opfer gefallenen Lehrers dies erlaube.

Das Treffen zwischen Indigenen und Regierung war das Resultat monatelanger Diskussionen und stand nicht im Zusammenhang der aktuellen Kontroverse um die Ölförderung im Yasuní-Nationalpark. Der indigene Präfekt von Chimborazo, Mariano Curicama, stellte sich in seiner Rede jedoch ausdrücklich hinter die Entscheidung der Regierung. Präsident Correa betonte, dass das Land zur Überwindung der Armut auf die verantwortungsvolle Nutzung der Bodenschätze angewiesen sei. Delia Caguana schloss ihre Rede mit dem Versprechen, den Dialog fortzuführen. Man werde den Präsidenten weiter "belästigen", bis das Vereinbarte umgesetzt sei.

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