Forum zu illegalen Drogen in Kolumbien beendet

Einigkeit über Scheitern der staatlichen Anti-Drogen-Politik. Forderung nach Ende der Kriminalisierung und der Repression

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Bislang ohne Alternative, um das Überleben ihrer Familien zu sichern: Kokabauern in Kolumbien
Bislang ohne Alternative, um das Überleben ihrer Familien zu sichern: Kokabauern in Kolumbien

Bogotá/San José del Guaviare. Mehr als 2.000 Menschen haben sich am Nationalen Forum für die Lösung des Problems illegaler Drogen beteiligt, das von der Nationaluniversität Kolumbiens und der UNO in Bogotá und in San José del Guaviare durchgeführt wurde.

Die Diskussionen wurden in Arbeitsgruppen zu drei Unterthemen geführt, in denen jeweils konkrete Vorschläge ausgearbeitet wurden: Substitution illegaler Anpflanzungen, Programme für Suchtprävention und öffentliche Gesundheit sowie das Phänomen der Drogenproduktion und des Drogenhandels in der kolumbianischen Gesellschaft. Die über hundert erarbeiteten Vorschläge werden in einen Abschlussbericht eingehen, welcher den Delegationen der Regierung und der FARC-Guerilla übergeben wird, die seit November 2012 in Kuba Friedensgespräche führen.

Vom 24. bis 26. September waren in Bogotá soziale Organisationen, Bewegungen, Stiftungen, Unternehmen, politische Parteien und Kirchen in den Arbeitsgruppen vertreten. Am ersten Tag des Forums berichteten Vertreter der besonders vom illegalen Anbau und Drogenhandel betroffenen Gemeinden über ihre Situation. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie indigene und afro-kolumbianische Gemeinden verwiesen auf das völlige Scheitern der staatlichen Anti-Drogen-Politik. Weit davon entfernt, eine Lösung für die Gemeinden zu bringen, sei sie längst zu einem Hindernis für deren autonome Entwicklung geworden. Die Regierung benutze die Anti-Drogen-Politik, um gegen die Organisierung und politische Beteiligung der Kleinbauern und Indigenen und ihre Forderungen nach einem würdigen Leben in ihren Gebieten vorzugehen. Die ländlichen Gemeinden seien jedoch nicht nur vom Drogenhandel, sondern gleichermaßen vom "Agrobusiness und Großgrundbesitz bedroht". Eine Änderung des ökonomischen Modells sei daher notwendig.

Verschiedene Ansätze für mögliche Lösungen des Problems von Drogenproduktion und -handel wurden vorgestellt. Einigkeit bestand darin, dass eine Lösung nur erreicht werden könne, wenn die Kriminalisierung und die Repression beendet würden. Wiederholt wurde Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos aufgefordert, "die Ausrottung der illegalen Anpflanzungen zu stoppen", bis eine Alternative für die Kleinbauern existiere, um das Überleben ihrer Familien zu sichern. "Ja zur Ausrottung – aber des neoliberalen Modells" - war die entsprechende Parole auf dem Forum. Den Aspekt der traditionellen kulturellen Bedeutung der Koka brachte der Sprecher der nationalen Indigenenorgansation ONIC, Luis Arias, ein. Er betonte, Koka sei eine heilige Pflanze für die indigenen Völker.

Der zweite Teil des Forums wurde am 1. und 2. Oktober in San José del Guaviare im Süden des Landes durchgeführt, einer Region, die besonderes vom Koka-Anbau betroffen ist. Die Bewertung der staatlichen Drogenpolitik stand im Zentrum der Analyse. Die Teilnehmer forderten unter anderem einen sofortigen Stopp des Besprühens von Koka-Pflanzungen mit Glyphosat, da dies verheerende Folgen für die Umwelt und die Bevölkerung habe. Zwischen 1996 und 2012 wurden in Kolumbien 1,64 Millionen Hektar aus der Luft mit dem Gift besprüht.

Nach Angaben lokaler Medien räumte am Montag der ehemalige Leiter des Programms der Streitkräfte gegen illegale Anpflanzungen, der pensionierte General Rafael Colon, Fehler des Staates in seiner Anti-Drogen-Politik ein. Der Gouverneur von Guaviare, José Ribera, sagte, in der Region werde bereits an Projekten der Anbausubstitution gearbeitet, unter anderem in der Tierhaltung und der Erzeugung erneuerbarer Energien, berichtet die Zeitung El Colombiano.

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