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Streit mit Chevron: Solidaritätskomitee mit Ecuador in Berlin gegründet

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Ecuadors Botschafter Jurado bei seinem Vortrag in Berlin
Ecuadors Botschafter Jurado bei seinem Vortrag in Berlin

Berlin. Ecuadors Botschafter in Deutschland, Jorge Jurado, hat bei einer Veranstaltung in Berlin die Forderung der Regierung seines Landes bekräftigt, nach der das US-amerikanische Erdölunternehmen Chevron die Umweltschäden im Amazonasgebiet beseitigen soll. Eine entsprechende Kampagne hatte der Präsident des südamerikanischen Landes, Rafael Correa, Mitte September ins Leben gerufen.

Das Vorgängerunternehmen von Chevron in Ecuador, Texaco, hatte 1967 die Erdölbohrungen unter diktatorischen Verhältnissen begonnen, sagte Jurado. Eine demokratische Kontrolle der wirtschaftlichen Tätigkeiten sei daher nicht möglich gewesen. "Im Grunde sind in Ecuador erst 1992 demokratische Verhältnisse eingekehrt", sagte Jurado am Dienstag vor rund 80 Gästen im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte.

Das US-amerikanische Erdölunternehmen, das 2001 von Chevron übernommen wurde, habe über Jahre hinweg die schweren Verseuchungen der Umwelt kaschiert, beklagte Jurado. So sei Erdöl auf der Oberfläche der Förderregionen im Amazonasgebiet lediglich mit Erde bedeckt worden. "Dieses Erdöl ist dann nach einigen Jahren nicht nur wieder an die Oberfläche gespült worden, sondern auch in das Grundwasser gelangt", so Jurado.

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Der Diplomat beschrieb die verschiedenen Versuche der Opfer der Umweltverschmutzungen, Chevron vor Gericht für die Schäden verantwortlich zu machen. Zwar hatte Chevron den Prozess zunächst vor ecuadorianische Gerichte gebracht. "Sie hatten offenbar gedacht, dass sie die Justiz dort besser beeinflussen können", so Jurado. Als der Konzern vor wenigen Jahren jedoch zu einer Zahlung von 19 Milliarden US-Dollar verurteilt wurde, erkannte das Unternehmen dieses Urteil nicht an. In den USA erreichte Chevron seinerseits ein 89-Millionen-Urteil gegen den ecuadorianischen Staat, weil das südamerikanische Land ein umstrittenes Investitionsschutzabkommens mit den USA verletzt habe.

Parallel zu dem mittlerweile dritten internationalen Prozess zwischen Chevron und Ecuador hat die Regierung von Ecuador inzwischen eine internationale Kampagne unter dem Titel "Las Manos Sucias de Chevron" (Die schmutzigen Hände von Chevron) initiiert. In Berlin gründete sich am Ende der Veranstaltung ein Solidaritätskomitee mit dem ecuadorianischen Volk. Ein entsprechende Solidaritätserklärung wurde dem Botschafter am Ende der Veranstaltung von Umweltaktivisten übergeben. "Chevron muss endlich die volle Verantwortung übernehmen und die betroffenen Menschen entschädigen, anstatt weiterhin Millionen Euro in Kampagnen und Prozesse gegen den ecuadorianischen Staat zu stecken", heißt es in dem Text.

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