17. Jan 2014 | Mexiko | USA | Medien | Politik

Kooperierten USA mit Sinaloa-Drogenkartell?

Mexikanische Zeitung belegt mit Gerichtsakten und Zeugenaussagen Zusammenarbeit von DEA und Sinaloa-Kartell. US-Behörden schweigen zum Fall

DruckversionEinem Freund senden

Mexiko-Stadt/Chicago. Einer investigativen Recherche der mexikanischen Tageszeitung El Universal zufolge liegen Beweise dafür vor, dass die US-Regierung von 2000 bis 2012  mit dem Sinaloa Drogenkartell eine informelle Vereinbarung geschlossen hatte. In diesem Rahmen soll die US-Drogenbehörde DEA dem Sinaloa Kartell im Gegenzug zu Informationen über gegnerische Kartelle, Verzicht auf Strafverfolgung und ungehinderten Drogenschmuggel zugesichert haben.

Sinaloal gilt als eines der mächtigsten Drogenkartelle weltweit. Es wird angeführt von Joaquin "El Chapo" Guzman. Bis zu 80 Prozent der Drogenlieferungen in die Westküste der USA sollen mittlerweile von Sinaloa kommen. Schon seit einigen Jahren gibt es Gerüchte, dass die USA mit dem Kartell zusammenarbeiten. Die Tatsache, dass nur ein Prozent der Kommandoaktionen gegen mexikanische Kartelle zwischen 2006 und 2012 das Sinaloa-Kartell trafen, gab diesen Verdachtsmomenten weiter Nahrung.

Die Recherche von El Universal legt jetzt aber erstmals Beweise in Form von Gerichtsdokumenten vor, die Zeugenaussagen eines DEA-Agenten sowie eines Repräsentanten des US-Justizministeriums beinhalten.

Die Aussagen wurden im Zuge einer Verhandlung am Amtsgericht in Chicago getätigt. Dabei ging es um die Verhaftung von Jesus Vicente Zambada-Niebla, dem Logistikkoordinator des Kartells. Der unter Eid befragte DEA Agent Manuel Castanon wird in den Gerichtsakten des Chicagoer Gerichts wie folgt zitiert: "Am 17. Mai 2008 traf ich mich für circa 30 Minuten in einem Hotelzimmer in Mexiko-Stadt mit Vincente Zambada-Niebla und zwei anderen Individuen – dem DEA Agent David Herrod und Loya Castro (Anwalt des Kartells), mit dem arbeitete ich seit 2005 zusammen." Zum Abschluss der Zeugenaussage betont er noch: "Ich führte das ganze Gespräch im Namen der DEA."

In der anschließenden Befragung von Patrick Hearn, einem Ermittler des US-Justizministeriums, gab dieser zu Protokoll, dass Castro "Informationen zuspielte, die zum Aufspüren von 23 Tonnen Kokain verschiedenster Drogenschmuggel-Organisationen führten."

In der weiteren Verhandlung behauptete der Anwalt von Zambada-Niebla, sich auf die Aussage eines DEA-Agenten stützend, dass in den späten 1990er Jahren der Sinaloa-Anwalt Castro eine Vereinbarung mit der DEA getroffen hatte, welche beinhaltete, dass Sinaloa Informationen über rivalisierende Kartelle übermittelt und im Gegenzug die US-Behörden von der Strafverfolgung der Sinaloa-Führung sowie von Intervention bei Schmuggelaktivitäten absehen würden.

Sowohl die DEA als auch andere US-Behörden lehnten jegliche Kommentierung der Recherche-Ergebnisse von El Universal ab.

El Universal gilt als eine der ältesten und seriösesten Zeitungen Mexikos. Die Recherchen für den Bericht, der am 6. Januar erstmals veröffentlicht wurde, gingen über ein Jahr. Mehr als hundert Zeugen, aktive und pensionierte Drogenfahnder, Häftlinge sowie Fachexperten in Mexiko und den USA wurden dazu interviewt.

(eluni/bu/sp)

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: DEA + Drogenkrieg + Drogenhandel + Kartell + Drogenkriminalität