Costa Rica / Politik

Keine Linkswende bei Wahlen in Costa Rica

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Luis Guillermo Solís von der PAC und Johnny Arara von der PLN (v.r.n.l.) werden den zweiten Wahlgang am 6. April 2014 bestreiten
Luis Guillermo Solís von der PAC und Johnny Arara von der PLN (v.r.n.l.) werden den zweiten Wahlgang am 6. April 2014 bestreiten

San José. Bei den Präsidentschaftswahlen in Costa Rica hat nach vorläufigen Angaben der Obersten Wahlbehörde (TSE), Luis Guillermo Solís, Kandidat der Oppositionspartei PAC (Partei der Bürgerlichen Tat), überraschend mit 31 Prozent der Stimmen den ersten Wahlgang für sich entschieden. In der letzten vor der Wahl veröffentlichen Umfrage lag Solís noch an vierter Position mit 9,5 Prozent der Stimmen. Johnny Araya, langjähriger Bürgermeister der Hauptstadt San José und Kandidat der aktuellen Regierungspartei PLN (Partei der Nationalen Befreiung) folgt mit 30 Prozent der Stimmen. Da keiner der beiden Kandidaten die zum Sieg im ersten Wahlgang nötigen 40 Prozent erhielt, wird die Entscheidung, wer für die nächsten vier Jahre Costa Rica regieren wird, erst beim zweiten Wahlgang am 6. April fallen. Es ist das zweite Mal in der Geschichte Costa Ricas, dass ein zweiter Wahlgang benötigt wird.

Der Kandidat des Linksbündnisses Frente Amplio, José María Villalta, erreichte 17,3 Prozent der Stimmen. Er hatte in den Umfragen der letzten Wochen an erster und zweiter Position gelegen. Die Gefahr, dass erstmals ein linker Kandidat in die zweite Runde kommen könnte, führte sofort zu heftigen Reaktionen von Unternehmerverbänden und liberalen wie konservativen Parteien. Diese griffen ihn öffentlich als "Freund von Chávez und Ortega", "Kommunisten" und "Gefahr für die Demokratie" an.

Neben der Präsidentschaftswahl waren die 3,2 Millionen Wahlberechtigen auch aufgerufen, zwei Vizepräsidenten sowie die 57 Kongressabgeordnete zu wählen. Bei den Kongresswahlen erhielt die regierende PLN 18 und die PAC, Partei des Siegers des ersten Wahlganges, 13 Sitze. Beide Parteien sind somit weit entfernt von einer eigenen Mehrheit. Das Linksbündnis Frente Amplio wird mit neun Abgeordneten in den Kongress einziehen, dem höchsten Ergebnis in ihrer Geschichte. Zuvor hatte sie lediglich einen Sitz im Kongress. Damit gilt die Frente Amplio als klare Gewinnerin der Wahlen zur Legislative.

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Die Partei der christlich-sozialen Einheit (PUSC) kommt auf acht und die rechtsgerichtete Partei der Freiheitsbewegung (ML) auf vier Sitze. Die restlichen fünf Sitze verteilen sich auf Kleinstparteien wie beispielsweise die Partei der costaricanischen Erneuerung und die Partei der Nationalen Erneuerung.

Begleitet wurden die Wahlen von über 100 internationalen Wahlbeobachtern. Die Wahlenthaltung lag, ähnlich wie bereits 2010, bei 32 ProzentErstmals in der Geschichte Costa Ricas durften auch die im Ausland lebenden Costa-Ricaner an der Wahl teilnehmen.

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