Neue Untersuchung im Fall Curuguaty?

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Rubén Villalba, hier bei der bedingen Freilassung in den Hausarrest, wurde am gleichen Tag wieder verhaftet und setzt den Hungerstreik fort
Rubén Villalba, hier bei der bedingen Freilassung in den Hausarrest, wurde am gleichen Tag wieder verhaftet und setzt den Hungerstreik fort

Asunción. Der Generalstaatsanwalt von Paraguay, Javier Diaz, wird die bisherigen Untersuchungsakten der Staatsanwaltschaft im Fall des Massakers von Curuguaty prüfen und gegebenenfalls weitere Ermittlungen einleiten. Dies sagte er unlängst bei einem Treffen mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen und sozialen Bewegungen sowie Angehörigen der Angeklagten im Fall Curuguaty zu. Diaz bestätigte dabei auch die Vermutung, dass die Ermittlungen nicht vollständig in alle Richtungen erfolgt seien und eventuell Beweise manipuliert wurden. Ausdrücklich lobte er die Presse für ihre objektive Berichterstattung.

Die Verteidigung der 14 Kleinbauern beklagte wiederholt die einseitige Ermittlungsarbeit des zuständigen Staatsanwalts Jalil Rachid. Während den Angeklagten versuchter Mord, Bildung einer kriminellen Vereinigung und ungerechtfertigte Landbesetzung vorgeworfen wird, gibt es bisher keinerlei Untersuchung der Todesumstände der Landbewohner seitens der Staatsanwaltschaft, die bei dem Massaker ihr Leben verloren. Parallel durchgeführte Ermittlungen der Menschenrechtskoordination Paraguays (Codehupy) und anderer Menschenrechtsaktivisten erbrachten dagegen Beweise, dass die ersten Schüsse nicht aus den Reihen der Kleinbauern und Landlosen kamen.

Das Massaker von Curuguaty vom 15.Juni 2012, bei dem elf Kleinbauern und sechs Polizisten ihr Leben verloren, führte zum parlamentarischen Putsch gegen den demokratisch gewählten linksgerichteten Präsidenten des südamerikanischen Landes, Fernando Lugo.

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Einer der Beschuldigten im Fall Curuguaty, der Kleinbauernführer Ruben Villalba, trat indes erneut in einen Hungerstreik. Nachdem die letzten inhaftierten Kleinbauern gemeinsam mit ihm nach 58 Tagen Hungerstreik die Umwandlung ihrer Untersuchungshaft in Hausarrest erzwungen hatten, wurde Villalba noch am gleichen Tag erneut verhaftet. Ihm wird Anstiftung zur Landbesetzung im Jahr 2008 vorgeworfen.

Villalba, der seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt und sich in körperlich schlechtem Zustand befindet, erfährt große Unterstützung im In-und Ausland. Der Generalsekretär des Weltgewerkschaftsbundes (WGB), Valentín Pacho, der dieser Tage in Paraguay weilte und sich mit verschiedenen Gewerkschaftsführern traf, besuchte Villalba im Gefängnis und versprach ihm, sich international um Unterstützung für seine Freilassung zu bemühen.

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