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01.06.2014 Uruguay / Menschenrechte / Politik

Oberst a.D. in Uruguay wegen Mordes während der Diktatur verurteilt

Transparent in der Altstadt von Montvideo zum Gedenken an Julio Castro. Vor diesem Haus war der 68-jährige am 1. August 1977 verhaftet worden

Transparent in der Altstadt von Montvideo zum Gedenken an Julio Castro. Vor diesem Haus war der 68-jährige am 1. August 1977 verhaftet worden

Montevideo. Der ehemalige Oberst der uruguayischen Armee, José "Nino" Gavazzo, ist erneut zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde der Mittäterschaft an der Ermordung des Lehrers und Journalisten Julio Castro für schuldig befunden, der während der Diktatur (1973-1985) verschwunden ist.

Im gleichen Urteil des Berufungsgerichtes von vergangener Woche wurde die Freilassung (unter Auflagen) des Ex-Polizisten Juan Ricardo Zabala verfügt, der im März 2012 wegen Beihilfe zum Mord an Castro verurteilt worden war. Zabala hatte zugegeben, die Verhaftung Castros auf Befehl durchgeführt zu haben. Seine Beteiligung an dessen Ermordung bestritt er jedoch.

Der Oberst a.D. Gavazzo befindet sich bereits seit 2006 in Haft. Er war zusammen mit anderen Militärs zu 25 Jahren Gefängnis wegen des Todes von 28 Uruguayern verurteilt worden, die 1976 in Argentinien verschleppt worden waren.

Die Überreste von Julio Castro wurden im Oktober 2011 auf dem Gelände des Armeebataillons Nr. 14 sichergestellt. Nach dem gerichtsmedizinischen Bericht wurde "Castro durch einen Schuss in den Kopf getötet (...). Seine Hände und Füße waren gefesselt. Er wurde misshandelt". Castro war Lehrer und Journalist und wurde am 1. August 1977 entführt. Er galt 34 Jahre lang als verschwundener Gefangener.

Richter Juan Carlos Fernández Lecchini führte nun in seinem Urteil aus, dass im Entführungs- und Mordfall Castro "die Verjährungsfrist noch nicht greift". Daher würden die Ermittlungen weitergehen. Im Zeitraum 1985-2005 sei faktisch keine Rechtssprechung in diesem Zusammenhang möglich gewesen, da die Verantwortlichen der zivil-militärischen Diktatur "immer noch die Macht innehatten, Prozesse zu blockieren oder zu verhindern", so der Richter. Die Interpretation und Anwendung des Gesetzes von 1986, das den Strafanspruch des Staates für hinfällig erklärt hatte, habe "verhindert, dass die Opfer den Zugang zur Justiz einfordern konnten". Die Staatsanwälte und Richter hätten weder ermitteln noch bestimmte Strafen aufgrund von Anklagen verhängen können. Fernández Lecchini fügte hinzu, dass erst ab dem Jahr 2005 "die Regierung in der Lage war, die Verurteilung der Verbrechen der Diktatur zu ermöglichen". Daher könnten "die Verjährungsfristen erst ab diesem Zeitpunkt an greifen". Am 1. März 2005 trat die Frente Amplio die Regierung an. Seitdem wurden laut Medienberichten rund 30 Militärs angeklagt und zu Haftstrafen verurteilt.

Das Urteil von Richter Fernández Lecchini ist das Vierte, das sich trotz zahlreicher Anträge zur Verfahrenseinstellung wegen Verjährung solcher Verbrechen dagegen durchgesetzt hat. Die Anwälte von Gavazzo haben indes Berufung eingelegt.

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