DruckversionEinem Freund senden
01.07.2014 Mexiko / Politik

Gouverneur von Michoacán zurückgetreten

Amtszeit Vallejos von Korruptionsskandalen geprägt. Verdacht auf Verbindungen seiner Regierung zum Drogenkartell “Die Tempelritter“
Zurückgetreten: Der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Michoacán, Fausto Vallejo Figueroa (PRI)

Zurückgetreten: Der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Michoacán, Fausto Vallejo Figueroa (PRI)

Quelle: nodal.am

Michoacán. Der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Michoacán, Fausto Vallejo Figueroa, von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) ist zurückgetreten. Vallejo teilte am 18. Juni per Twitter mit, er müsse aus "Gesundheitsgründen" vorzeitig das Amt verlassen.

Kurz vor seinem Rücktritt kursierten Fotos in den sozialen Netzwerken, die seinen Sohn Rodrigo Vallejo zusammen mit "La Tuta", dem Führer einer kriminellen Organisation zeigen. Das Wochenmagazin Proceso berichtet außerdem von Geheimdokumenten des Militärs, die bestätigen, dass Vallejo und seine Familie schon vor seiner Regierungszeit mit der organisierten Kriminalität zusammengearbeitet haben sollen. Die oppositionelle Partei der Demokratischen Revolution (PRD) fordert daher Ermittlungen gegen Vallejo.

Die 22-monatige Amtszeit Vallejos war wegen Verbindungen seiner Regierung zum Drogenkartell “Die Tempelritter“ (Los caballeros templarios) und Korruptionsskandalen von massiver Kritik geprägt. Die Gewalt in Michoacán nahm enorm zu. Angesichts der Untätigkeit der regionalen und nationalen Regierung organisierte sich die Zivilbevölkerung in Bürgerwehren, denen es gelang, die kriminellen Banden aus einigen Gemeinden zu vertreiben (amerika21 berichtete).

Die nationale Regierung entwaffnete in diesem Jahr die Bürgerwehren und ließ einige ihrer Mitglieder festnehmen. Hunderte Militärs wurden in die Region entsandt. Obwohl Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto in der Öffentlichkeit behauptete, dass Michoacán mit diesen Maßnahmen sicherer und friedlicher geworden sei, besagen Zahlen von nationalen und internationalen Erhebungen das Gegenteil. So kamen der Global Peace Index und Consultora Aregional, die jeweils den Friedenszustand und die Wettbewerbsfähigkeit einer Region beschreiben, zu dem Schluss, dass Michoacán einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos ist, mit einer gewaltbedingten, sehr niedrigen Wettbewerbsfähigkeit.

Der Nachfolger von Fausto Vallejo ist Dr. Salvador Jara Guerrero. Er war bis zu seiner Ernennung Direktor der Universität San Nicolás de Hidalgo in Michoacán und soll bis zu den Neuwahlen im August 2015 Gouverneur bleiben.

José Mireles, der Mitbegründer und damalige Pressesprecher der Bürgerwehren, begrüßte die Entscheidung und bot seine Hilfe an, um die Konflikte in der Region zu lösen. Jara Guerrero "steht vor einem Problem mit historischen Dimensionen", so Mireles.

Indes berichtete die mexikanische Zeitung La Jornada, dass Mireles am vergangenen Freitag im Dorf La Mira in Michoacán zusammen mit weiteren 69 Mitgliedern der Bürgerwehr von einem Großaufgebot Polizisten und Militärs festgenommen wurde. Mireles wird "illegaler Waffenbesitz" vorgeworfen, er wurde in das Hochsicherheitsgefängnis im Bundesstaat Sonora gebracht.

Seine Familie sowie Mitglieder der örtlichen Selbstverteidigungsgruppen sagten gegenüber La Jornada, dass die Waffen, die Mireles bei seiner Verhaftung bei sich trug, bereits beim Militär registriert waren. Ihrer Meinung nach sei der eigentliche Grund der Festnahme seine kritischen Haltung gegenüber der Regierungspolitik von Präsident Peña Nieto, mit der dieser die Lage in Michoacán unter Kontrolle bringen wolle. Außerdem habe Mireles der Regierung öffentlich vorgeworfen, sie beschütze die Mitglieder der organisierten Kriminalität, statt sie festzunehmen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

04.05.2014 Nachricht von Leticia Hillenbrand
22.04.2014 Hintergrund & Analyse von Luis Hernández Navarro
05.06.2014 Nachricht von Martin Mrochen