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Lateinamerika springt in Russland ein

Nach Importverbot für landwirtschaftliche Güter aus Nordamerika, Westeuropa und Australien öffnet sich der russische Markt für Lateinamerika
Lateinamerikanische Länder erhöhen ihre Lebensmittelexporte nach Russland

Lateinamerikanische Länder erhöhen ihre Lebensmittelexporte nach Russland

Quelle: aporrea.org

Moskau. Nachdem die russische Regierung den Import von Fleisch, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse aus den Russland sanktionierenden Staaten gestoppt hat, könnten nun lateinamerikanische Produzenten einspringen.

Als Antwort auf die von Europäischer Union (EU), USA, Australien, Kanada und Norwegen im Zuge der Ukraine-Krise gegen ukrainische und russische Personen und Unternehmen verhängten Sanktionen unterzeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin am 6. August 2014 ein Dekret, welches den Import von landwirtschaftlichen Produkten aus den Sanktionsstaaten für ein Jahr aussetzt. Russland ist für die EU mit circa zehn Prozent der zweitgrößte Exportmarkt für landwirtschaftliche Produkte. Hauptsächlich lieferten bisher deutsche, polnische und niederländische Firmen solche Güter. Die Sanktionsmaßnahme lässt acht Prozent der bisherigen Agrarimporte Russlands wegfallen. Eine Lücke, die nun lateinamerikanische Produzenten füllen könnten und wollen.

Im gleichen Zug mit dem Einfuhrverbot gegen den Westen öffnete die russische Regierung den heimischen Markt für landwirtschaftliche Produkte aus Lateinamerika. So bestätigte das brasilianische Agrarministerium, dass Produzenten des südamerikanischen Landes Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch sowie Fleischbeiprodukte in die Russische Föderation liefern dürften. Noch im Juli 2011 hatte Rosselkhoznadzor, die russische Agentur für Agrargüter, Beschränkungen für brasilianische Fleischproduzenten eingeführt – diese werden nun anscheinend aufgehoben. Eine technische Mission aus Brasilien hatte sich in den vergangenen Wochen in Russland aufgehalten, um die potenziellen Märkte zu erkunden.

Noch ist auch Argentinien von Rosselkhoznadzor-Beschränkungen betroffen. Trotz gegebener Hindernisse exportiert das südamerikanische Land jetzt bereits Birnen, Trauben, Äpfel, Zitrusfrüchte, Rindfleisch, Erdnüsse, Butter und Käse. Argentinische Firmenvertreter haben nun ihr Interesse an einem gesteigerten Export nach Russland geäußert. Neben diesen beiden großen Staaten in Südamerika liefern auch jetzt schon mehrere kleine Länder landwirtschaftliche Produkte nach Russland.

Chilenische Agrarerzeugnisse, die in die Russische Föderation geliefert werden, umfassen bisher Lachs, Forellen, Obst, Schweinefleisch, Wein und größere Mengen an Gelatine. Der chilenische Botschafter in Moskau, Juan Eduardo Eguiguren, sagte, sein Land könne die Exporte dieser Produkte nach Russland deutlich erhöhen. Experten schätzen ein, dass auch Ecuador Teile seiner Exporte nach Russland umleiten könnte. Bananen, Schnittblumen, Kaffee und Tee liefert das Land jetzt bereits schon. Der ecuadorianische Botschafter in Moskau, Patricio Chávez Zabala, vereinbarte vergangene Woche mit den russischen Behörden bereits eine Erhöhung dieser Lieferungen.

Die Botschafter von Peru, Paraguay und Uruguay trafen am Donnerstag mit dem Leiter der russischen Inspektionsabteilung für Landwirtschaft und Viehzucht (SIAG), Sergey Dankvert, zusammen, um über die Steigerung und Diversifizierung ihrer Exporte zu sprechen. Der uruguayische Botschafter Anibal Cabral Segalerba betonte bei dieser Gelegenheit, dass sein Land die internationalen Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise nie unterstützt habe.

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