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18.09.2014 Costa Rica / Politik

Wachsende Verbreitung illegaler Schusswaffen in Costa Rica

Die Vorgängerregierung Costa Ricas präsentierte erst Anfang des Jahres eine Bilanz ihres Programms zur Zerstörung beschlagnahmter illegaler Waffen

Die Vorgängerregierung Costa Ricas präsentierte erst Anfang des Jahres eine Bilanz ihres Programms zur Zerstörung beschlagnahmter illegaler Waffen

San José. In dem mittelamerikanischen Land Costa Rica, das keine eigenen Streitkräfte unterhält, sind im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr illegale Schusswaffen in Umlauf als in den bekanntermaßen von Gewalt heimgesuchten Ländern wie Kolumbien, El Salvador und Honduras. Dieses Thema findet aktuell in den Medien des Landes große Beachtung.

Jüngst veröffentlichte offizielle Statistiken weisen für die vergangenen vier Jahre zudem fast eine Verdoppelung von Delikten, bei denen solche Waffen eingesetzt worden sind, auf. Für das laufende Jahr zeigt sich demnach bereits eine weitere Verstärkung dieses Trends.

Allein 228.500 registrierte und zugelassene Schusswaffen sind im Umlauf, bei einer Einwohnerzahl von etwa 4.3 Millionen. Die Waffenlizenzen seien an Privatpersonen, Unternehmen und deren Sicherheitskräfte ausgegeben worden, so die offiziellen Angaben. Über Anzahl und Art der Waffen der staatlichen Polizeikräfte geben die Behörden keine Auskunft an die Öffentlichkeit.

Nach Erhebungen, die einem methodischen System der UNO für Lateinamerika folgen, muss von noch einmal derselben Anzahl illegaler Waffen ausgegangen werden. Max Loría, ehemaliger stellvertretender Justizminister von Costa Rica und heute Leiter eines Programms für Gewaltprävention der Stiftung für Frieden und Demokratie (Funpadem), schätzt, dass "konservativ gerechnet" insgesamt 450.000 Waffen im Land im Umlauf seien.

Für eine Neuregelung der Gesetzgebung auf dem Gebiet des Waffenbesitzes werden gegenwärtig zwei Gesetzesprojekte in den parlamentarischen Gremien und in der Öffentlichkeit diskutiert.

Die Zeitung La Nación, die jüngst dem Thema ausführliche Recherchen gewidmet hat, schätzt ein, dass aus dem Bereich der Privatwirtschaft Widerstand gegen Einschränkungen der Verfügung über Waffen in privater Hand zu erwarten sei. Insbesondere die Vereinigung Pro Defensa Civil widerspricht allen Einschränkungen und vertritt ein "Recht auf Selbstschutz".

Costa Rica führt traditionell einen pazifistischen Diskurs und hat in den 1950er Jahren seine Streitkräfte abgeschafft. Seine institutionelle Stabilität wird gemeinhin auf eine, im lateinamerikanischen Vergleich, frühe sozialpolitische Gesetzgebung zurück geführt.

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07.04.2014 Nachricht von Florian Warweg