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06.02.2015 Brasilien / Menschenrechte

Sprüher in São Paulo von Polizei ermordet?

"Jets" und "Anormal" im Aufzug des Gebäudes, kurz vor ihrem Tod

"Jets" und "Anormal" im Aufzug des Gebäudes, kurz vor ihrem Tod

Quelle: ponte.org

São Paulo. Die Auswertung neu aufgetauchter Dokumente hat ergeben, dass zwei junge Männer in São Paulo möglicherweise von der Polizei erschossen wurden, nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Im Juli 2014 kamen die beiden Pixação-Sprüher Alex Dalle Vechia und Ailton Dos Santos, bekannt als "Jets" und "Anormal", in einem Wohnhaus im Osten der Stadt ums Leben. Pixação ist eine spezielle Art des Graffito, die ihren Ursprung in der brasilianischen Millionenmetropole hat.

Laut der offiziellen Version starben die Männer nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Zudem soll es sich bei "Jets" und "Anormal" um Einbrecher gehandelt haben. Familienangehörige bestreiten die Version der Polizei und erklärten, dass die beiden unbewaffnet waren und sich Zugang zu dem Haus verschafft hatten, um auf dem Dach zu sprühen. Die Familien der Opfer sprechen von einer "kaltblütigen Hinrichtung".

Die neuen Unterlagen bestätigen nun diese Darstellung. Laut den Aussagen von zwei Polizisten, die als Erste am Tatort erschienen, waren die Sprüher kurz vor der vermeintlichen Schießerei "noch am Leben und hatten sich bereits ergeben". Wenige Minuten später töteten die Kugeln einer anderen Polizeieinheit "Jets" und "Anormal". Nach Angaben des Anwalts der vier beschuldigten Polizisten handelten diese in Notwehr.

Immer wieder enden Polizeieinsätze in São Paulo tödlich. Laut einer Erhebung des Nachrichtenportals R7 starben allein zwischen Januar und November des vergangenen Jahres 816 Menschen im Bundesstaat São Paulo bei Polizeieinsätzen. Im Durchschnitt stirbt damit alle 9,8 Stunden ein Mensch in São Paulo durch Polizeikugeln. Die Werte sind so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. "Die Polizei hier tötet viel mehr Menschen als die Polizei in ganz Südafrika. Polizisten begegnen Gewalt auf der Straße, jedoch registrieren wir in den letzten Jahren etliche Fälle, in denen die Polizei tötet und dies mit vermeintlichen Schusswechseln rechtfertigt", sagt Maria Laura Canineu, Direktorin von Human Rights Watch in Brasilien.

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