"Volkskommandos gegen Wirtschaftskrieg" in Venezuela

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Angehörige der Militärischen Volkskommandos im Bundestsaat Lara
Angehörige der Militärischen Volkskommandos im Bundestsaat Lara

Caracas. In Venezuela hat am Donnerstag im ganzen Land der Aufbau sogenannter Volkskommandos begonnen. Diese sollen nach Regierungsangaben dazu beitragen, die weitverbreiteten Versorgungsmängel nach und nach zu beheben. Gebildet werden sie von Regierungsfunktionären, Angehörigen der Streitkräfte, Vertretern der kommunalen Räte und Kommunen sowie Mitgliedern der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei (PSUV) und der Regierungsallianz Großer Patriotischer Pol (GPP). Diese sollen gemeinsam gegen Spekulation, das Zurückhalten von Grundbedarfsgütern und Wucher vorgehen.

Über seinen Twitter-Account rief Präsident Nicolás Maduro die Bevölkerung dazu auf, "die Mafiagruppen zu zerschlagen" und die produktive Wirtschaft des Landes zu stärken. Es gehe um eine "gesunde Wirtschaft im Dienst des Volkes hin zum Sozialismus". Weiter rief der Präsident die Streitkräfte und die Bevölkerung zur Einheit und zur Präsenz auf der Straße auf, "um den Frieden und die Stabilität" im Land zu sichern.

Vizepräsident Jorge Arreaza, der bei der Gründung des ersten der Militärischen Volkskommandos (Comandos Populares Militares) im Bundestaat Lara anwesend war, sagte, ihr unmittelbares Ziel sei, den Zugang der Bevölkerung zu Medikamenten, Lebensmitteln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs zu sichern. "Die Schlacht findet auf der Straße gemeinsam mit dem Volk statt", so Arreaza. Die Bevölkerung solle die Firmen und die Warenverzeichnisse kontrollieren, ebenso die Herkunft sowie die realen Kosten der Produkte, um "soziale Kontrolle" auszuüben und die wirtschaftliche Sabotage zu bekämpfen. Niemand habe das Recht, Venezuela Angst zu machen. Diejenigen, die versuchten, das Land zu destabilisieren und einen Staatstreich durchzuführen, würden keinen Erfolg haben, betonte der Vizepräsident.

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Venezuelas Regierung ist in jüngster Zeit verstärkt gegen große Vertriebsfirmen und Einzelhandelsketten für Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente vorgegangen, denen sie vorwirft, gezielt Produkte zurückzuhalten, Warteschlagen zu provozieren und Unruhe in der Bevölkerung zu schüren. Mehrere Manager der Supermarktkette Díadía und der Drogerie- und Apothekenkette Farmatodo wurden verhaftet. Auch in den vergangenen zwei Tagen wurden wieder Tonnen zurückgehaltene Lebensmittel sichergestellt.

Wie Präsident Maduro am Freitag bekanntgab, wird das 2005 gegründete Unternehmen Díadía und seine 35 Märkte ab dem heutigen Samstag in die staatliche Verteilerkette für Lebensmittel Pdval integriert. Er habe Anweisung erteilt, sofort alle administrativen und juristischen Schritte einzuleiten. Die Arbeitsplätze der betroffenen ca. 800 Angestellten seien gesichert, betonte er. Die Unternehmensführung habe "Krieg gegen das Volk geführt". Pdval übernehme nun sämtliche Dienstleistungen und garantiere die Verfügbarkeit und Lieferung der Produkte.

Der Unternehmerverband Fedecámaras verlangte derweil ein Treffen mit der Regierung. Es herrsche "Angst im Privatunternehmertum wegen der Einschüchterung und Verfolgungen der Unternehmer" sowie der Festnahmen von Leitungspersonal. Diese seien nun politische Gefangene, klagte der Verbandsvorsitzende Jorge Roig. Insbesondere "die Angriffe, die einige Vertriebsketten von Lebensmitteln und Medikamenten erleiden", bereiteten Sorge und würden die Probleme nur weiter verschärfen. Privatunternehmen wie Farmatodo täten ihr Bestes. Ursache der Krise sei "das Beharren" der Regierung "auf einem Modell, das eindeutig gezeigt hat, dass es nicht die Lösungen beinhaltet, die das Land braucht", so Roig.

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