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Kritische Journalistin in Mexiko entlassen

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Die Radiojournalistin Carmen Aristegui
Die Radiojournalistin Carmen Aristegui

Mexiko-Stadt. Nach der Entlassung der Radiojournalistin Carmen Aristegui durch ihren Arbeitgeber MVS Radio wirft diese ihm nun Zensur vor. Im Interview mit der Wochenzeitung "Proceso" vom vergangenen Wochenende sprach Aristegui davon, durch MVS unter Druck gesetzt worden zu sein, sollten sie und ihr Team einen geplanten Bericht über den Korruptionsskandal um das sogenannte Weiße Haus der mexikanischen First Lady veröffentlichen.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hatte zuvor das Unternehmen Grupo Higa mit dem Bau der Immobilie beauftragt – dasselbe Unternehmen, das kürzlich eine öffentliche Ausschreibung zum Bau einer Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den Bundesstaaten Mexiko und Querétaro gewann. Zudem hatte der Inhaber der Grupo Higa, Juan Armando Hinojosa Cantú, während der Wahlkampagne 2012 Privatflugzeuge an die Partei des Präsidenten verliehen.

Laut Aristegui bat der Inhaber von MVS, Joaquín Vargas, sie, auf die Veröffentlichung des Beitrags zu verzichten, um die Fortführung des Radioprogramms nicht zu gefährden. Aristegui und ihr Team entschieden sich, dem zuzustimmen, behielten sich jedoch eine Verbreitung des Berichts über andere Medien vor. Trotz ähnlicher Konflikte zwischen der mexikanischen Regierung, MVS und Aristegui in den vergangenen Jahren bezeichnete sie die Arbeitsbeziehung zwischen ihrem Team und dem Radiounternehmen als "gestärkt" und sprach in Bezug auf die Entlassung von einer "autoritären Ohrfeige".

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Am 15. März hatte MVS die Zusammenarbeit mit ihr beendet. Als Grund für die Entlassung gab das Radiounternehmen die Forderung Aristeguis nach Wiedereinstellung zweier Mitglieder ihres Teams an, denen vorgeworfen wurde, durch die Mitarbeit bei der Enthüllungsplattform Méxicoleaks einen Interessenkonflikt zu beschwören.

In sozialen Medien wie Twitter entwickelte sich der Vorfall um ihre Entlassung schnell zum Trending Topic, zahlreiche User drückten ihre Besorgnis über die Situation der Pressefreiheit in Mexiko aus.

Aristeguis Arbeit gilt in Mexiko als Beispiel für kompromisslosen und kritischen Journalismus. Ihre allmorgendliche Radiosendung zu tagespolitischen Themen erreichte ein große Zuhörerschaft, sie erhielt hierfür zahlreiche Medienpreise. Immer wieder geriet Aristegui durch ihre Berichterstattung in Konflikt mit der mexikanischen Regierung und der politischen Elite Mexikos. So war die Journalistin bereits 2011 kurzzeitig von MVS gefeuert worden, nachdem sie sich geweigert hatte, einen von der Regierung vorgefertigten Entschuldigungsbrief wegen eines Beitrags über den damaligen Präsidenten Felipe Calderón öffentlich vorzutragen.

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