88 Umweltaktivisten in Lateinamerika im Jahr 2014 ermordet

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Trauer um ermordete Aktivisten in Honduras: Berta Cáceres und Mitstreiter
Trauer um ermordete Aktivisten in Honduras: Berta Cáceres und Mitstreiter

London/Washington. In Lateinamerika sind im vergangenen Jahr mehr Umweltaktivisten ermordet worden als in jeder anderen Weltregion. Dies geht aus einem Bericht der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness hervor. Demnach waren es in Mittel- und Südamerika im Jahr 2014 insgesamt 88, weltweit waren es 116.

"Jede Woche werden mindestens zwei Personen ermordet, weil sie Stellung gegen die Umweltzerstörung beziehen", heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Wie viele noch?" Einige von ihnen seien bei Protesten von der Polizei erschossen, andere von Auftragsmördern umgebracht worden. "Während die Unternehmen auf der Suche nach neuem Land sind, um es auszubeuten, zahlen immer mehr Menschen den höchsten Preis dafür, dass sie sich dem widersetzen." Der Bericht weist auch darauf hin, dass 40 Prozent der Opfer einer indigenen Gemeinschaft angehören. Die ermordeten Umweltschützer hätten sich besonders in fünf Bereichen zur Wehr gesetzt: Bergbau und andere extraktivistische Aktivitäten, Wasser, Agrobusiness und Waldwirtschaft. Zugleich sei es immer auch um den Landkonflikt gegangen, so Global Witness.

Brasilien steht mit 29 getöteten Aktivisten an der Spitze, gefolgt von Kolumbien (25), Honduras (12), Peru (9), Guatemala (5), Paraguay (3), Ecuador und Costa Rica (je ein Ermordeter). Einschränkend erklärt Global Witness, keine ganz exakten Zahlen zu haben, da auch Aktivisten in entlegenen Dörfern oder im Dschungel umgebracht werden, wo die Gemeinschaften keinen Zugang zu Kommunikationsmitteln oder Medien haben. Daher befürchte man, dass die Zahl höher sei.

Einige Fälle wurden international bekannt. In Honduras wurden drei Mitstreiter der Aktivistin Berta Cáceres umgebracht, die Widerstand gegen den Bau des Staudamms Agua Zarca am Fluss Gualcarque im Bezirk von Francisco de Ojuera leisteten. Cáceres, die Generalkoordinatorin des Zivilen Rates der Basis- und Indigenen Organisationen von Honduras, ist eine der Preisträgerinnen des Goldman-Umweltpreises 2015. In Mexio war einer der Getöteten der Indigene Ramón Corrales Vega, der sich gegen die chinesische Bergbaufirma Paradox Global Resources stellte. In Peru wurden am 1. September 2014 der Anführer der Ashéninka-Indigenen, Edwin Chota, und seine Mitkämpfer Jorge Ríos Pérez, Leoncio Quinticima und Francisco Pinedo tot aufgefunden, die den sogenannten Wasserwald im Amazonasgebiet gegen illegalen Holzeinschlag verteidigten.

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