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Dorfbewohner in Kolumbien räumen Polizeiposten

Die Esmad sicherte die Wiederbesetzung des Polizeipostens ab

Die Esmad sicherte die Wiederbesetzung des Polizeipostens ab

Cali. Bewohner des Ortes El Mango im Süden des kolumbianischen Bundesstaates Cauca haben unlängst mit friedlichen Mitteln die Angehörigen der Polizeistelle aus dem Ortskern vertrieben. Sie werfen der Polizei vor, ihre Leitstelle strategisch im Ortskern platziert zu haben, um das Dorf als menschlichen Schutzschild gegen Angriffe der Guerilla zu benutzen. Die laufenden Friedensverhandlungen zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) und der Regierung würden keinerlei Verbesserungen herbeiführen, wenn es keine bilaterale Waffenruhe gebe, so die Bewohner.

Das Dorf befindet sich seit Jahrzehnten im Zentrum des bewaffneten Konflikts zwischen Polizei, Militär, Paramilitärs, privaten Sicherheitsfirmen von Großgrundbesitzern im Zuckerrohranbau und Farc. Die Bewohner hatten bereits mehrfach öffentlich beklagt, dass bei Angriffen immer wieder Zivilisten ermordet werden und es regelmäßig zu erheblichen Sachschäden komme. Für den Verlust von zahlreichen Menschenleben macht die Bevölkerung unter anderem die im Ortskern gelegene Polizeistelle verantwortlich, die wiederholt Ziel von Anschlägen wurde.

Die 2008 gegründete Außenstelle biete keine Sicherheit, so eine Vertreterin der Ortschaft, sondern sei eine Bedrohung und habe in den Jahren seit ihrer Eröffnung zu mehr zivilen Opfern geführt. Ähnliches wird aus mehreren Orten im Bundesland Cauca berichtet.

Nach der friedlichen Aktion der Bevölkerung traf eine Delegation des Ortes Vertreter der Landesregierung, der Ombudsstelle und der Vereinten Nationen zu vorerst ergebnislosen Verhandlungen. Trotz des aktiven Widerstands der Zivilbevölkerung ließ sich die Regierung zu keiner Einigung bewegen. Präsident Juan Manuel Santos und General Rodolfo Palomino verkündeten, dass die Streitkräfte auf keinen Zentimeter Land verzichten würden. Einige Tage nach der Vertreibung durch die Bevölkerung marschierte die Polizei mit Begleitung der militärpolizeilichen Aufstandsbekämpfungseinheit (Esmad) in El Mango ein, um den Posten erneut zu besetzen. Die Menschenrechtsorganisation "Francisco Isaías Cifuentes" bestätigte, dass dabei mit Schusswaffen auf die Dorfbevölkerung gezielt worden sei.

Der verantwortliche Polizeioberst, Iván Ramiro Pérez Manzano, versuchte zeitgleich mit der Bewohnern zu verhandeln. In einem schriftlichen Abkommen erklärte sich die Polizeiführung verantwortlich für die Garantie der Sicherheit der Bewohner und sei deswegen bereit, den Posten umzuziehen. Es wurden unmittelbare Maßnahmen vereinbart sowie eine langfristige Lösung für die Polizeistelle beschlossen. Die Suche nach einem neuen Sitz unterliege mehreren gemeinsam festgelegten Kriterien, so ein Polizeisprecher. Das Gebäude müsse außerhalb der von Menschen bewohnten Siedlungen liegen, dürfe aber auch nicht in direkter Umgebung leerstehender Gebäude sein, um potenziellen Angreifern keinen Schutz zu bieten. Die Ombudsstelle verpflichtete sich, die Vereinbarungen zu überwachen, bis eine gegenseitig akzeptierte Umsetzung erfolgt sei. Die Frist für den Umzug wurde auf 15 Tage festgesetzt.

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