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19.08.2015 Mexiko / Menschenrechte

Schwere Vorwürfe gegen Behörden in Mexiko im "Fall Iguala"

Die interdisziplinäre Expertengruppe bei der Pressekonferenz am Montag

Die interdisziplinäre Expertengruppe bei der Pressekonferenz am Montag

Quelle: facebook.com

Mexiko-Stadt. Das Expertenteam der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) hat bekannt gegeben, dass die Generalstaatsanwaltschaft (PGR) im Fall Iguala wichtige Beweismittel zur Aufklärung des Schicksals der seit September 2014 verschwundenen 43 Lehramtsstudenten absichtlich zurückgehalten habe. Auch Videomaterial sei vernichtet worden. "Im Hinblick auf die Ermittlungen, aber auch für die Familienangehörigen der Opfer, ist das eine gravierende Erkenntnis", betonte Claudia Paz y Paz am Montag bei einer Pressekonferenz.

Die PGR soll den Eltern und deren Anwalt Beweismittel verheimlicht haben. Circa 19 Kleidungsstücke und Gegenstände der 43 jungen Männer, seien am 27. September, einen Tag nach dem Verschwindenlassen bei den Ermittlungen absichtlich nicht erfasst worden. Das CIDH-Team hat in den Bussen, mit denen die Lehramtsstudenten in der Nacht des Polizeiangriffs unterwegs waren, Beweismittel sichergestellt, registriert und diese zum Institut für Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck, Österreich zur Untersuchung geschickt.

Außerdem stellten die Experten fest, dass die Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras in der Nähe des Justizpalastes in Iguala vom Tag des Angriffs vernichtet worden sind. Die Aufnahmen der Polizeiangriffe gegen die Lehramtsstudenten waren an den Präsidenten des Gerichtshofes gesendet worden. Alles deutet darauf hin, dass sie später vernichtet wurden. "Diese Frage soll von der PGR unmittelbar geklärt werden", forderte das Team.

Im Fall von Julio César Mondragón, einem der sechs bei dem Polizeiangriff Getöteten, wollen die Experten, dass eine zweite Obduktion von den Gerichtsmedizinern aus Argentinien durchgeführt wird. Bei der von den mexikanischen Behörden vorgenommenen ersten Obduktion wurden die Gesichts- und Gehirnverletzungen des Opfers nicht berücksichtigt. Mondragón wurde nach dem Angriff auf der Straße mit schweren Folterspuren tot aufgefunden.

Bereits am 15. August hatten sich der mexikanische Innenminister Osorio Chong, die Eltern der 43 Lehramtsstudenten und deren Anwalt, Vidulfo Rosales, sowie zwei CIDH-Experten in der Lehrerfachschule "Raúl Isidro Burgos" in Ayotzinapa im Bundesstaat Guerrero getroffen. Dabei haben sie über die Wiederaufnahme der Ermittlungen, aber auch über die Notwendigkeit gesprochen, die Arbeit des Teams um weitere sechs Monate zur verlängern. Die fünfköpfige interdisziplinäre Expertengruppe ist seit Anfang April in Mexiko und arbeitet mit den Eltern und der Menschenrechtsorganisation Tlachinollan zusammen, um den Verbleib der Lehramtsstudenten zu klären.

Bezüglich der Forderung des CIIDH-Teams, die 26 Soldaten des 27. Bataillons zu befragen, sollen die Fragen schriftlich formuliert und den Vorgesetzten übergeben werden. Wenn die Soldaten ihre Aussagen verfassen, so der Bescheid der mexikanischen Regierung, darf keiner der fünf Experten vor Ort sein.

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