Soziale Bewegungen in Venezuela setzen sich gegen Kohlebergbau durch

wayuu_gegen_kohlebergbau.jpg

Wayuú-Indigene demonstrieren gegen Kohlebergbau
Wayuú-Indigene demonstrieren gegen Kohlebergbau

Caracas. In Anerkennung der Schäden für die indigenen Gemeinden und das Ökosystem hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro die Planungen für neue Kohlebergwerke in der Region Perija im Staat Zulia gestoppt. Vorausgegangen waren monatelange Proteste von indigenen und Bauernorganisationen, Umweltschützern und politischen Aktivisten.

In der vergangenen Woche wurde im Amtsblatt der Regierung (Gaceta Oficial) bekanntgegeben, dass Maduro das Dekret 1606 "korrigiert" hat, mit dem er im Februar dieses Jahres dem chinesischen Staatsunternehmen Sinohydro für 30 Jahre die Konzession zum Abbau der Kohlereserven des Perija auf einem Gebiet von rund 24.200 Hektar erteilt hatte. Eine 70 Kilometer lange Eisenbahnlinie durch La Guajira und ein Tiefwasserhafen im Wayúu-Dorf von Pararú sollten für den Abtransport der Kohle gebaut werden. Außerdem war Sinohydro beauftragt worden, ein Kohlekraftwerk zu bauen. Daraufhin gingen Gegner des Vorhabens im ganzen Land auf die Straße, führten Kampagnen in den sozialen Netzwerken und Kundgebungen vor dem Ministerium für Erdöl und Bergbau durch. Das Leben der indigenen Völker, das Ökosystem in der Region und die Grundwasserversorgung der Bevölkerung von Zulia seien gefährdet. Betroffen wäre auch Maracaibo, die Hauptstadt des Bundesstaates und zweitgröße Stadt Venezuelas, so die Befürchtung.

Bei mehreren Gesprächen mit Regierungsvertretern, unter anderem mit Vizepräsident Jorge Arreaza und Mitarbeitern des Energie- und Bergbauministeriums, wurde schließlich eine Einigung erzielt. Am 30. Juli teilte Arreaza Vertretern der Protestbewegung mit, dass die Pläne für das Kohlekraftwerk und die Infrastrukturprojekte eingestellt sind. Neue Kohlebergbauprojekte würden zurückstellt. Die Aktivisten hatten daraufhin gefordert, dass das Dekret 1606 offiziell aufgehoben wird.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

In der am 27. August verfügten Anordnung des Präsidenten heißt es jetzt, Sinohydro und der venezolanische Staatsbetrieb Carbozulia dürften nur in den zwei bereits bestehenden Minen Paso Diablo und Mina Norte auf 7.250 Hektar Kohle fördern.

Zwar sei das Dekret nicht aufgehoben worden, dies sei aber eine unwichtige Formalität, sagte der Wayúu-Aktivist Reynaldo Fernandez gegenüber dem russischen Nachrichtenportal Sputnik: "Wir haben eine Schlacht für die Bewahrung des Lebens unserer Völker und des Wassers von Maracaibo gewonnen." Jetzt gehe es darum, im Land eine Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Vertretern der organisierten Bevölkerung und der Regierung über die Nutzung sauberer Energien zu eröffnen, so die "Ökologische Widerstandsfront Zulia" (Frez) in einer Stellungnahme. Auch müssten die Gespräche mit den Unternehmen und Regierungsmitarbeitern weitergeführt werden, damit die bestehenden Minen verträglich für die Umwelt und die Menschen arbeiteten.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr