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Tote bei Landkonflikt zwischen Indigenen und Siedlern in Nicaragua

Die Spannungen zwischen Indigenen und Siedlern steigen an. Drei Tote bei Schusswechsel. Indigene hatten 18 Häuser von Siedlern niedergebrannt
Im Konflikt zwischen Indigenen und Siedlern gab es drei Tote in Waspam

Im Konflikt zwischen Indigenen und Siedlern gab es drei Tote in Waspam

Lizenz: Public Domain

Managua. Der Konflikt um das indigene Territorium Wanky Twi Tasba Raya hat innerhalb einer Woche drei Tote und fünf Verletzte gefordert. Dies teilten die lokalen Behörden mit. Medienberichten zufolge sind alle Opfer Angehörige der Miskitos. In Waspam, einem an der Grenze zu Honduras gelegenen autonomen Gebiet, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Indigenen und illegalen Siedlern.

Die Polizei informierte außerdem, dass Indigene bereits 18 Häuser von Siedlern niedergebrannt hätten, andere Berichte sprechen von 26 Häusern. Wie lokale Medien berichteten, seien die Angriffe der Siedler eine Vergeltung dafür gewesen. Eine Gruppe Indigene, die mit der Bewachung des Gebiets beauftragt war, geriet überraschend unter Beschuss durch Siedler. Dabei wurde der 39-jährige Rosmeldo Solórzano erschossen und drei weitere Männer verletzt. Diese werden im Krankenhaus von Waspam versorgt.

Eine Kommission der Zentralregierung ist in das Gebiet gereist ebenso wie medizinisches Personal, das bei der Versorgung der Verletzten helfen soll. Die Polizei äußerte sich nicht zu den Hintergründen des Konflikts, gab aber bekannt, dass sich gemeinsame Einheiten von Polizei und Militär in der Region befänden, um die Miskito-Gemeinden zu schützen. Auch eine Polizeieinheit zur Aufklärung der Straftaten ist demnach vor Ort.

Die Landkonflikte zwischen Indigenen und Siedlern sind allerdings nicht auf Waspam beschränkt. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 36-jährigen Bestehen der Nationalpolizei erklärte Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, dass die Regierung für die Rückgabe von Land an Indigene sorgen werde, das ihnen im Rahmen der Autonomiegesetzgebung für die Atlantikküstenregionen zusteht. Die Bewaffnung von Indigenen, um Siedler aus ihren Gebieten zu verbannen, nannte er ein Problem öffentlicher Sicherheit.

Alfonso Velázquez Balladares aus der indigenen Gemeinde Santa Fé führte aus, man sei dabei gescheitert, die Siedler davon zu überzeugen, das Land friedlich zu verlassen. Deshalb habe man sich bewaffnet, um das Problem zu beenden. Insgesamt hätten sich nach Angaben von "EL Nuevo Diario" 18 Gemeinden gegen die Siedler bewaffnet.

Der kommunale Richter Elasio Rivas Evels erklärte, dass die Siedler sich damit verteidigten, selbst über kein Land im Pazifikküstengebiet zu verfügen. Aus ihrer Sicht handle es sich bei den Gebieten an der Atlantikküste um nicht besiedeltes Territorium. Dies sei allerdings falsch, betonte Rivas Evels. Die Indigenengemeinden hätten sich bewaffnet, da es um ihre Existenz gehe. Der Richter identifizierte zudem Erasmo Flores als Anführer der Siedler und beschuldigte ihn, seine Gefolgsleute davon zu überzeugen, das Gebiet nicht zu verlassen.

Die Gemeinden Wisconsin, Santa Clara, La Esperanza und Fracia Sirpy sind am stärksten von den Konflikten betroffen. Ihre Bevölkerung ist zum Teil nach Bilwi und Waspam geflohen, da man die Rache bewaffneter Siedler wegen der niedergebrannten Häuser fürchte. Die Dorfschule von Nueva Esperanza ist zum Zufluchtsort von Frauen und Kindern geworden. Unter den Miskitos wächst die Angst, von bewaffneten Siedlern aus ihren angestammten Gebieten vertrieben zu werden.

Nicaraguas Präsident hielt fest, dass es sich um kommunales indigenes Land handelt, das nicht verkauft werden dürfe. Laut der Verfassung Nicaraguas von 1987 ist es "unveräußerlich, unantastbar und unpfändbar". Die Siedler säßen Betrügern auf, die ihnen Land mit gefälschten Titeln verkaufen, erklärte Ortega. Das Problem betreffe nicht nur indigene Gebiete, sondern beispielsweise auch den Nationalpark Bosawás. Auch hier ist das Problem illegaler Besiedlung bisher nicht gelöst. Nach Angaben des nicaraguanischen Präsidenten ergänzten sich illegaler Holz- und Landhandel. Holzhändler motivierten Siedler zur Viehzucht und verkauften das Holz weiter.

In Bezug auf den wachsenden Konflikt zwischen Siedlern und Indigenen betonte Ortega, dass es einer friedlichen Lösung bedürfe. Hauptverantwortliche, den illegalen Aktivitäten entgegenzutreten, seien die lokalen Autoritäten. Die Zentralregierung werde allerdings mit Polizei und Militär helfen. Er erklärte außerdem, dass er vor einigen Jahren das Ersuchen kanadischer Investoren, die im Nationalpark Bosawás Bergbau im Tagebau betreiben wollten, aus ökologischen Gründen abgelehnt habe. Die Investoren hätten ihm gegenüber erklärt, bereits eine Übereinkunft mit der lokalen Bevölkerung erreicht zu haben. Die Unterstützung der Regierung für ein solches Vorhaben sei allerdings unter keinen Umständen möglich, so der Präsident.

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