Verdacht auf schwerste Nebenwirkungen von Krebs-Impfung in Kolumbien

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Demonstrierende Mädchen und Eltern in Bogotá
Demonstrierende Mädchen und Eltern in Bogotá

Bogotá. Erkrankte Mädchen und deren Eltern haben vor dem Gesundheitsministerium in der kolumbianischen Hauptstadt protestiert, um Minister Alejandro Gaviria und die Öffentlichkeit auf die dramatischen Folgen der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für die Gesundheit aufmerksam zu machen. Sie verdächtigen den Impfstoff der Firma Merck & Co., für Krankheiten wie multiple Sklerose verantortlich zu sein.

Die Betroffenen fordern von der Herstellerfirma, sich den Vorwürfen zu stellen und für den Schaden der Kinder aufzukommen, so Martha Villegas, Mutter von Camila Andrea Peluffo Villegas. Das 14-jährige Mädchen ist seit der Impfung 2013 krank. Die Eltern beschuldigen zudem die Regierung, keine Maßnahmen ergriffen zu haben und fordern eine unabhängige Untersuchung der Fälle. In mehreren kolumbianischen Städten sind nach Angaben der Eltern Fälle von Erkrankungen bekannt. Der Gesundheitsminister hatte behauptet, die Impfung sei wissenschaftlich untersucht und vollkommen unbedenklich.

Die seit einigen Jahren erhältliche HPV-Impfung soll vor Gebärmutterhalskrebs schützen und war bereits Gegenstand von Kritik, nachdem in mehreren Fällen Mädchen an multipler Sklerose erkrankt sind. In den USA wurden 259 Entschädigungsanträge wegen "schwerer Nebenwirkungen gestellt",  zwölf junge Frauen starben. 73 Fälle wurden bereits anerkannt und eine Entschädigung ausgezahlt. In Kolumbien wird von über 300 Mädchen mit Erkrankungen nach der Impfung berichtet. Gesundheitsbehörden und der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos streiten die Zusammenhänge mit der HPV-Impfung ab.

Der Hersteller des Impfstoffs ist der US-amerikanische Konzern Merck & Co., der mit 44 Milliarden US-Dollar Umsatz nach Novartis und Pfizer drittgrößte Arzneimittelhersteller der Welt. Alle öffentlich zugänglichen Studien zu Nebenwirkungen sind von Merck&Co. selbst in Auftrag gegeben worden.

Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt diese Impfungen im Rahmen der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Gavi), eine öffentlich-private Partnerschaft, die den Ausbau von Impfprogrammen in Entwicklungsländern und die Einführung neuer Impfstoffe befördert. Die wichtigen Entscheidungsträger sind Regierungen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef), aber auch die Weltbank, die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung und vor allem die Impfstoffhersteller selbst. Gavi ist damit der weltgrößte Akteur im Impfsektor. Die "Allianz" wird aus Spenden finanziert, die von Regierungen, der Anglo-American, der Gates-Stiftung, JP Morgan und Statoil kommen.

Ärzte ohne Grenzen und die Organisation Save the Children haben Kritik geübt an der Fokussierung von Gavi auf die Entwicklung teurer Impfstoffe sowie wegen der Bevorzugung großer US-Konzerne und der Konzentration auf die Erschließung neuer Märkte. HPV-Impfungen werden in Kolumbien trotz der Zweifel weiterhin standartmäßig durchgeführt. In Chile wurde diese Impfung gerade zur Pflichtimpfung erklärt und die Mädchen werden in den Schulen geimpft.

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