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26.10.2015 Uruguay / Menschenrechte

Große Unterstützung in Uruguay bei Suche nach Verschwunden

Familien bitten Bevölkerung in Urugay um Mithilfe bei der Suche nach ihren Angehörigen. In kurzer Zeit mehr als 300 weiterführende Hinweise
Seit 1996 findet jedes Jahr am 20. Juni in Montevideo ein Schweigemarsch für die Verschwundenen statt. Das diesjährige Motto war: "Schluss mit der Straflosigkeit jetzt - Wahrheit und Gerechtigkeit"

Seit 1996 findet jedes Jahr am 20. Juni in Montevideo ein Schweigemarsch für die Verschwundenen statt. Das diesjährige Motto war: "Schluss mit der Straflosigkeit jetzt - Wahrheit und Gerechtigkeit"

Montevideo. Die Organisation "Mütter und Angehörige von Verhafteten-Verschwundenen in Uruguay" (Famidesa) hat sich in einem offenen Brief und einem Video an die uruguayische Bevölkerung gewandt und um die Weitergabe von Informationen gebeten, die bei der Suche nach ihren verschwundenen Familienangehörigen hilfreich sein können. Wer Hinweise geben kann, soll Famidesa kontaktieren.

Die Kampagne ist offenbar sehr erfolgreich. Innerhalb von zwei Wochen gingen über 300 Informationen ein. Ein Mitarbeiter von Famidesa, Ignacio Errandonea, berichtet: "Wir erhielten jede Menge Anrufe. Es läuft viel besser als erwartet und wir haben bereits begonnen, die Informationen auszuwerten." Viele Anrufer seien junge Leute gewesen, die versuchen ihre Identität zu finden, da sie adoptiert wurden. "Es riefen aber auch Personen an, die berichteten gesehen zu haben, wie Menschen begraben wurden." Manche Hinweise kamen außerdem von Militärs: "Einige gaben uns sogar ihre Nummern und baten um persönliche Gespräche, andere wollten lieber anonym bleiben", erläuterte Errondonea. Die Zusicherung der Anonymität ist ein Prinzip von Famidesa, aber auch der anderen Organisationen, die in diesem Zusammenhang arbeiten. "Wir versichern allen, das niemand identifiziert wird, denn wir glauben, dass es Menschen gibt, die immer noch Angst haben", kommentiert er diese Praxis.

Die Angehörigenorganisation arbeitet zusammen mit einem universitären Team von Anthropologen, unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und der "Kommission für Wahrheit und Gerechtigkeit", die Anfang des Jahres von der Regierung Tabaré Vázquez ins Leben gerufenen wurde.

Bereits in dieser Woche wollen die Anthropologen ihre Arbeit in der berüchtigten Kaserne Batallion 13 wieder aufnehmen, wo Überreste von Verschwunden vermutet werden. Die Arbeiten waren wegen eines Bombenfundes unterbrochen. Während der Diktatur war Battallion 13 bekannt als "Große Hölle" (Infierno Grande). Dort wurden Gefangene festgehalten, gefoltert und getötet. Zudem diente der Ort auch als geheimer Friedhof.

Wichtig sei es, "Frieden zwischen den Uruguayern herzustellen", es gehe in erster Linie darum, "die Übereste der Verschwundenen zu finden", betonte Kardinal Daniel Sturla, der die Kampagne unterstützt und alle katholischen Gemeinden in Uruguay zur Mithilfe verpflichtet hat. Auch die andereren Religionsgemeinschaften folgen dem Beispiel. Wer etwas weiß und dies an Famidesa weitergeben will, kann seine Mitteilung auch in jeder Pfarrei, Tempel oder Synagoge im gesamten Land einreichen.

Das Schicksal von 200 Uruguayern, die während der Diktatur (1973 - 1985) festgenommen wurden, ist weiterhin ungewiss. Sie verschwanden nicht nur in Uruguay, sondern auch in Nachbarländern, die ebenso von Diktaturen beherrscht waren und im Rahmen der Operation Condor kooperierten. Dabei arbeiteten die Repressionskräfte in Südamerika mit Unterstützung der USA zusammen, um linke und oppositionelle Kräfte zu verfolgen und zu töten. Tausende Menschen wurden gefoltert und ermordet oder entführt und verschwanden dann meist spurlos.

Famidesa will ihre Kampagne bis mindestens Ende des Jahres fortsetzen, um möglichst viele Uruguayer zu erreichen. Zudem hoffen sie auf gute Ergebnisse, die weitere Menschen dazu animieren, zu sagen, was sie wissen.

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20.02.2015 Nachricht von Gunda Wienke