Gewerkschaften in Chile kritisieren Arbeitsmarktreform

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Die Mehrzahl der chilenischen Gewerkschaften lehnen die Reformen ab
Die Mehrzahl der chilenischen Gewerkschaften lehnen die Reformen ab

Santiago de Chile. Die von der chilenischen Regierung vorgestellte Arbeitsmarktreform wird von den Gewerkschaften des Landes überwiegend abgelehnt. Am 10. Dezember hatte die Regierung den neuen Entwurf vorgelegt. 200 Gewerkschaftsführer übergaben daraufhin am folgenden Tag einen Brief im chilenischen Regierungspalast, in dem sie die aktuell im Senat diskutierten Arbeitsmarktreformen als unzureichend beanstandeten.

Die geplante Reform gliedert sich in zwei Teile: Erstens die Veränderungen, die von dem Arbeitsmarktausschuss des Senats diskutiert wurden und von der Regierung unterstützt werden. Dazu gehören spezielle Abkommen zu Überstunden und zur Funktionsweise des Obersten Rat für Arbeit. Im zweiten Teil wurden die komplexeren Themen dargestellt, wie das Streikrecht oder das Quorum für die Gründung von Gewerkschaften in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese Themen sollen bis zum nächsten Dienstag besprochen werden.

Die Gewerkschaftler kritisieren, dass in der aktuell debattierten Arbeitsmarktreform wichtige Punkte nicht behandelt werden. Dazu gehören die Ausgliederung von Arbeit an Subunternehmer, die Abnahme von Normalarbeitsverhältnissen und Arbeitsplatzsicherheit sowie die Stärkung der Frauenrechte, auch innerhalb der Gewerkschaften.

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Gewerkschafter befürchten, dass mit dem neuen Recht die grundlegenden Arbeitsrechte ausgehebelt werden können und Arbeitszeitregelung sowie Einhaltung offizieller Feiertage der Willkür der Arbeitgeber unterstehe. Die Regierung sieht für die Zukunft vor, Verhandlungen mit Gewerkschaften nicht mehr allgemein zu führen, sondern mit jeder Sektion einzeln. Das könne zu einer Schwächung der Arbeitnehmer beitragen. Laut Rafael Torres, Gewerkschaftsführer der Zentralen Arbeiterunion (UCT), ist die Folge der aktuellen Arbeitsmarktverhältnisse die Ausnutzung der Arbeitnehmer. Er beanstandete zudem, dass viele Menschen drei oder vier Jobs bräuchten und damit einem hohen arbeitsbedingten Stress ausgeliefert seien.

Einige der Gewerkschaften unterstellten, dass diese Reform den 1979 während der Diktatur von José Piñera entwickelten Arbeitsmarktplan Código Laboral umsetzen würde. Der Código Laboral untersagt das Streik- und Verhandlungsrecht der organisierten Arbeiterschaft.

Die Mehrzahl der Gewerkschaftsführer spricht sich für die Ausgestaltung von verschiedenen Arbeitsgruppen aus, welche einen gänzlich neuen Arbeitsmarktplan ausarbeiten sollten. 

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