Paramilitärs greifen erneut Gegner von Großunternehmen in Kolumbien an

Reaktivierung der Paramilitärs beunruhigt Menschenrechtsorganisationen. Kritiker des Energierohstoffsektors und der Agrarindustrie bedroht

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In jüngster Zeit haben sich die paramilitärischen Aktionen gegen die soziale Bewegung intensiviert
In jüngster Zeit haben sich die paramilitärischen Aktionen gegen die soziale Bewegung intensiviert

Bogotá. Mit Todesdrohungen, Morden und Prügeln haben Paramilitärs Menschenrechts- und Friedensaktivisten in den vergangenen Wochen in unterschiedlichen Regionen Kolumbiens angegriffen. So ist ein Mitarbeiter von Olmo Guillermo Liévano, dem regionalen Friedensberater im Departamento Huila, verschleppt und vier Stunden lang brutal geschlagen worden, um Informationen über seinen Chef herauszubekommen, was auf die Vorbereitung eines Attentats hindeutet.

Liévano hatte bereits im Jahr 2014 Drohungsbriefe von Paramilitärs erhalten, hinter denen er Wirtschaftsinteressen vermutete. Der Aktivist engagiert sich gegen die Vergabe des Einzugsgebiets des Flusses Las Ceibas an den kanadischen Bergbaukonzern Alange Energy Corporation. Ebenso setzt er sich für eine neue Energierohstoffpolitik ein. Nach dem jüngsten Vorfall hat Liévano Kolumbien verlassen.

Ein weiteres Ziel paramilitärischer Drohungen war der Menschenrechtaktivist Guillermo Antonio Pérez im nördlichen Departamento Cesar. Wie Liévano hat sich Pérez an der Organisation der "2. Nationalen Versammlung für den Frieden“ beteiligt. Dabei haben Vertreter der sozialen Bewegungen Ende November über eine Umorientierung der aktuellen Bergbau- und Energiepolitik diskutiert. Tage später bekam Pérez einen Zettel mit der Warnung: "Wir wissen über dich Bescheid, hundsgemeiner Guerillero."

Pérez hatte außerdem die Umleitung von Wasserquellen für die Bewässerung von Ölpalmenplantagen scharf kritisiert,  die die Kleinbauern der Region ohne Wasser hinterlässt. Er begleitet zudem Familien beim Kampf um die Rückgabe ihrer geraubten Ländereien und prangerte die Reaktivierung paramilitärischer Gruppen an.

Auch im Gemeinbezirk Mapiripán im Departamento Meta, wo der italienische Konzern Poligrow Ölpalmen anbaut,  sind mehrere Umweltaktivisten in den letzten Wochen von Paramilitärs bedroht worden. Unter ihnen ist Gloria Rodríguez, Angehörige der indigenen Sikuani, die sich gegen die Ausbreitung der Plantagen von Poligrow wehren. "Gloria werden wir töten und ihre Kinder werden sie in einem Beutel einsammeln", kündigte ein Paramilitär an, der nach ihr gesucht hat. Trotz der Anwesenheit des Militärs in dem Gebiet sind dort seit September paramilitärische Truppen.

Der Journalist Édinson Bolaños,  dessen Beiträge die Verdrängung der kleinen Bergbauernfamilien durch die größten Goldexporteure im Departamento Cauca erzählen, ist ebenso telefonisch mit dem Tod bedroht worden. Auch im Departamento Casanare werden Gegner von Großunternehmen verfolgt. Der Bauernaktivist Daniel Abril, der sich gegen Erdölkonzerne stellte, ist unlängst erschossen worden.

"In Kolumbien kann es keinen Frieden geben, wenn wir so ermordet werden, wie Daniel Abril ermordet wurde“, sagt Favián Laverde, Mitglied des Bauernbündnisses Cumbre Agraria. Organisationen wie die Menschenrechtskoordination (CCEEU) beobachten besorgt die landesweite Intensivierung militärischer und paramilitärischer Aktionen gegen die soziale Bewegung in den vergangenen Monaten. Doch auf die Aufforderung, etwas dagegen zu unternehmen, habe die Regierung nicht reagiert, so die Friedensorganisation Conpaz.

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