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Kinder im Norden von Kolumbien sterben an Hunger und Wassermangel

Medien weisen erneut auf humanitäre Krise in Region La Guajira hin. Kohlebergbau verschärft soziale Probleme. Appell an Präsident Santos
Kinder der indigenen Volksgruppe der Wayú in der Region  La Guajira leiden an Hunger oder Wassermangel

Kinder der indigenen Volksgruppe der Wayú in der Region La Guajira leiden an Hunger oder Wassermangel

Bogotá. Im Norden von Kolumbien sind im vergangenen Jahr jede Woche durchschnittlich vier bis fünf Kinder der indigenen Volksgruppe der Wayú an Hunger oder Wassermangel gestorben. Nach einem aktuellen Bericht der Tageszeitung El Tiempo sind mehr als 34.000 Kinder in der Region La Guajira unterernährt. Zwischen 2008 und 2015  kamen insgesamt 4.770 Kinder unter sechs Jahren an vermeidbaren Missständen ums Leben. Seit Ende Januar sind vier Todesfälle registriert worden.

"In La Guajira hat sich nichts geändert. Die Unterernährung vernichtet unsere Kinder", sagte einer der Vertreter der Wayú, Javier Rojas, in einem Radiointerview am 3. Februar. Eine Woche später erklärte Oneida Pinto, Gouverneurin von La Guajira, den Verwaltungsbezirk im Nordosten Kolumbiens für zahlungsunfähig. Sie könne die anhaltende Krise nicht allein bewältigen, sagte sie gegenüber Präsident Juan Manuel Santos bei einem Besuch in der Hauptstadt Bogotá.

Die steigenden Temperaturen – eine Folge des Wetterphänomens El Niño – sowie die anhaltende Dürre in der Region sind derzeit Gründe der humanitären Krise, jedoch nicht ihre zugrundeliegende Ursache. Die Umleitung des Flusses Ranchería sowie der Bau eines Damms für die Versorgung des größten Steinkohlebergwerks der Welt, El Cerrejón, hat den Zugang zum Trinkwasser bereits vor zehn Jahren für die Bevölkerung erheblich eingeschränkt. Während eine Ortschaft mit 47.000 Einwohnern 7,5 Millionen Liter Wasser pro Tag konsumiert, verbraucht die Mine täglich 17 Millionen Liter. Dabei gibt es in vielen Ortschaften in Alta Guajira, dem Norden der Region, nahezu keinen Zugang zu Wasserquellen oder Wasserversorgungssystemen, geschweige denn zu Gesundheitseinrichtungen.

Der Wassermangel hat mittlerweile die Landwirtschaft der Region lahm gelegt, 90 Prozent der Familien leiden unter wiederkehrenden Engpässen bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Dazu verdrängt der industrielle Fischfang die handwerkliche Fischerei der Wayú, so der Anthropologe Weildler Guerra im Interview mit El Tiempo.

Seitdem Venezuela im vergangen September die Grenze zu Kolumbien geschlossen hat, um den Schmuggel von staatlich subventionierten Gütern zu unterbinden, sind die Bewohner der kolumbianischen Seite der Halbinsel auf sich allein gestellt. Denn die Korruption ist eine allgegenwärtige Geißel für die ärmste Region des Landes. Sogar die Direktorin des Instituts für das Gemeinwohl der Familie (ICBF) in La Guajira, Cristina Plaza Milchensen, verurteilte die Existenz von Mafiastrukturen innerhalb ihres eigenen Instituts, das für die Aufsicht über die Kinder in der Region sowie für die Verwaltung von Geldern der Zentralregierung zuständig ist.

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06.02.2016 Nachricht von Juliette Schlebusch