Bolivien und Russland intensivieren Kooperation in der Erdgasindustrie

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Miller – hier links im Bild – mit Energieminister Luis Alberto Sánchez
Miller – hier links im Bild – mit Energieminister Luis Alberto Sánchez

Tarija, Bolivien. Das russische Erdgasförderunternehmen Gazprom hat auf einem bilateralen Energiegipfel in Tarija mit der bolivianischen Regierung eine Intensivierung ihrer strategischen Kooperation vereinbart. Die bis 2040 anberaumte Zusammenarbeit soll die Gasförderung auf dem bolivianischen Territorium vorantreiben. Die unterzeichneten Vereinbarungen umfassen Bereiche der Lagerstättenerkundung, der Gasproduktion sowie der Forschung und der Aus- und Weiterbildung von Personal. Ziel ist es unter anderem, die Verwendung natürlichen Flüssiggases in Bolivien auszubauen und somit die Dieselsubventionen zu reduzieren. Mit den Vereinbarungen in der Erdgasindustrie bauen Bolivien und Russland ihre bilateralen Beziehungen weiter aus. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Russlands Präsident Wladimir Putin seinem bolivianischen Amtskollegen Evo Morales auf dem 3. Gipfel des Forums gasexportierender Länder (GECF) höchstpersönlich zugesagt, Bolivien beim Aufbau eines Atomzentrums in La Paz zu unterstützen.

Nach Aussagen des Geschäftsführers des russischen Energieriesen, Alexey Miller, haben die Dynamik des industriellen Wachstums und der Anstieg der Erdöl- und Erdgasproduktion eine Erneuerung einer allgemeinen Vereinbarung im Gassektor ermöglicht. Boliviens Energieminister Luis Alberto Sánchez gab bekannt, dass Gazprom darüber hinaus Interesse an der Erschließung von sechs weiteren Erdgasfeldern in Chuquisaca, Santa Cruz und Tarija bekundet hat, wo Gasreserven von 9,2 Billionen Kubikfuß vermutet werden. Diese sollen in Zukunft in einem binationalen Projekt für Flüssiggas erschlossen werden. Gazprom, das weltgrößte Erdgasförderunternehmen, ist bisher an der Ausbeutung der Erdgasfelder Aquío und Ipati sowie dem angrenzenden Feld Azero in den Departments Santa Cruz und Chuquisaca gemeinsam mit dem französischen Konzern Total beteiligt.

Bolivien verfügt nach Venezuela über die zweitgrößten natürlichen Gasvorkommen in Südamerika. Aus diesem Grund ist Bolivien für die Nachbarländer des Cono Sur und Brasilien ein strategisch wichtiger Energiepartner. Gazprom zeigt sich zuversichtlich, dass Bolivien in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle in der Energieversorgung Lateinamerikas spielt.

Die Erträge aus den Erdgasexporten haben Milliarden in die Staatskasse Boliviens gespült. Allein im Jahr 2014 überstiegen die jährlichen Einnahmen aus Kohlenwasserstoffen diejenigen der Regierungen zwischen 1985-2005. Im Mai 2006 hatte Evo Morales per Dekret die Nationalisierung des Erdöl- und Erdgassektors festgelegt. Seitdem kontrolliert die staatliche Firma YPFB die gesamte Wirtschaftskette von der Erschließung bis zur Vermarktung und dem Export. In den letzten zehn Jahren ist die Industrialisierung des Gassektors in Bolivien laut Sánchez stetig vorangeschritten, was allein die Verdopplung der täglichen Fördermenge zeige. Damit kann sowohl die interne als auch die externe Nachfrage sichergestellt werden. In den kommenden fünf Jahren wolle die Regierung 12,68 Milliarden US-Dollar in den Energieausbau investieren.

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