Anhörungen zum Genozidprozess in Ixil-Region von Guatemala

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Betroffene und Angehörige begleiten und unterstützen
die Zeugen im Völkermordprozess in Guatemala
Betroffene und Angehörige begleiten und unterstützen die Zeugen im Völkermordprozess in Guatemala

Nebaj, Guatemala. Vertreter des Gerichtshofs für Hochrisikofälle in Guatemala haben im Völkermordprozess gegen den ehemaligen Diktator Efraín Ríos Montt und dessen Geheimdienstchef Jose Mauricio Rodríguez Sánchez Anhörungen mit 15 bereits betagten und kranken Zeugen in der Bezirkshauptstadt der indigenen Ixil-Region durchgeführt.

Anwesend waren ebenfalls Vertreter der Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger des Zentrums für juristische Verfahren bei Menschenrechtsverletzungen (CALDH) sowie die Rechtsvertretung der Ixil-Gemeinschaften und die Zeugenvereinigung des Verbands für Gerechtigkeit und Aussöhnung (AJR). Die Zeugenaussagen wurden in der Region zu Protokoll genommen, da 15 Zeugen, die über 70 Jahre alt sind, aus gesundheitlichen Gründen nicht in Guatemala-Stadt vor Gericht erscheinen konnten.

Während der dreitägigen Termine unterstützten zivilgesellschaftliche Organisationen die Zeugen mit Informationsveranstaltungen, Begleitung und verschiedenen Aktionen, um Gerechtigkeit für die Opfer der Diktatur einzufordern. Ziel war es auch, junge Ixil-Indigene für ihre Geschichte zu sensibilisieren, indem Betroffene öffentlich über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, Massakern und Vertreibung im Zusammenhang mit Diktatur unbd Krieg sprachen.

Indessen protestierten ehemalige Zivilpatrouillen und Angehörige der militärischen Veteranenorganisation (AVEMILGUA) gegen den Prozess. Sie bekräftigten, dass nie ein Völkermord stattgefunden habe. Die Ex-Militärs verunglimpften und beschimpften die Betroffenen sowie anwesende Prozessbeobachter und beteuerten stets die Unschuld des Militärs an den grausamen Ereignissen.

In den vergangenen Jahren fanden dutzende Exhumierungen in Massengräbern statt, bei denen allein in der Ixil-Region hunderte Funde menschlicher Überreste ausgegraben und identifiziert wurden.

In Guatemala herrschten von 1960 bis 1996 Bürgerkrieg und Militärdiktaturen. Dabei wurden bis zu 250.000 Menschen ermordet, 83 Prozent waren Indigene. Die Regierungszeit von Ríos Montt von März 1982 bis August 1983 markierte den Höhepunkt der Menschenrechtsverletzungen: Beinahe 50 Prozent der Gräueltaten, von der UN-Wahrheitskommission als Völkermord bezeichnet, wurden in diesen 17 Monaten begangen.

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