Anwohner in Honduras lehnen Wasserkraftwerk und Tagebau ab

Tegucigalpa. In Honduras haben sich indigene Bewohner des Landkreises San Francisco de Opalaca im Department Intibucá bei einer Befragung mit deutlicher Mehrheit gegen den Bau von Wasserkraftwerken und Tagebau ausgesprochen.

Die Bewohner des Gebiets waren am 11. September zusammengekommen, um ihr Votum zu geplanten Großprojekten in ihren Gemeinden abzugeben. Dabei stimmten 3.532 Personen dagegen und nur 21 dafür. Im Landkreis San Francisco de Opalaca wurden durch den honduranischen Staat drei Wasserkraftwerk- und vier Minenkonzessionen genehmigt, ohne dass das Einverständnis der indigenen Bevölkerung durch vorherige, freie und informative Befragung eingeholt worden wäre. Diese Befragung ist ein Recht der indigenen Bevölkerung Honduras, verbrieft im Artikel 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, der vom honduranischen Staat unterzeichnet und ratifiziert wurde.

Die Gemeinden sehen sich durch extraktivistische Projekte in ihrer Existenz bedroht. In den Bergen von Opalaca entspringt der Fluss Gualcarque, der der Volksgruppe der Lenca als heilig gilt. Im März 2016 ist die Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres aufgrund ihres Kampfes gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Agua Zarca am Gualcarque ermordet worden. Bisher haben ähnliche Großprojekte zur Vernichtung von Anbauflächen und der Zerstörung des sozialen Zusammenhalts in den betroffenen Gemeinden geführt. Bereits im Vorfeld hat die Unternehmensgruppe Grupo Terra, mit allen Mitteln versucht Gemeindeführer vom Bau eines Wasserkraftwerkes zu überzeugen. Dabei wurden ihnen „Bargeld, der Bau einer Schule und die Reparatur der Straßen versprochen“, berichten Anwohner zweier Gemeinden aus San Francisco de Opalaca.

Grupo Terra ist Eigentum von Fredy Nasser, der zu den einflussreichsten Familien Honduras gehört und im gesamten Land in Energieprojekte investiert. Auf den Ländereien, die im Besitz der indigenen Gemeinden sind, wurden bereits Maschinerien bewegt, um mit der Installation zu beginnen. Darüber hinaus tauchte ein vom Bürgermeister der nationalen Partei (PN), Socorro Sánchez, unterzeichnetes Dokument auf, das der Unternehmensgruppe die Zustimmung erteilt. Sein Amt führt Sánchez von einem Nachbarort aus, da er von der Bevölkerung in „seinen“ Gemeinden nicht als rechtmäßiger Bürgermeister anerkannt wird. Tatsächlich ist die Lage für Sánchez brenzlig: Andernorts in Intibucá wurde bereits ein Prozess wegen Amtsmissbrauchs eines ehemaligen Bürgermeisters begonnen, der sein alleiniges Einverständnis zum Bau Agua Zarcas gegeben hatte.

Die einberufene Befragung fällt in einen Zeitraum, in dem ein Gesetz über die vorherige, freie und informative Befragung im Nationalen Kongress diskutiert wird.

Nach Ansicht von Felipe Benítez, dem Koordinator der Indigenenorganisation MILPAH, versucht die Vize-Präsidentin des Kongresses, Gladis Aurora López (PN), das Gesetz jedoch zu manipulieren. Der Ehemann von López ist Eigentümer eines Unternehmens, das mindestens drei Konzessionen von Wasserkraftwerken in den indigenen Gemeinden erlangt hat.

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