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Bergarbeiterstreik im Nordwesten Kolumbiens

Zentralregierung will informelle Goldschürfbetriebe in sechs Monaten schließen. Existenz von 150.000 Menschen in Antioquia bedroht. Bergbaukonzern setzt Bergleute unter Druck
Transparent beim Streik in Kolumbien: “Bergarbeiter- und Kleinbauerngemeinden im Nordosten Antioquias beim Aufbau eines würdigen Lebens in unserem Territorium"

Transparent beim Streik in Kolumbien: “Bergarbeiter- und Kleinbauerngemeinden im Nordosten Antioquias beim Aufbau eines würdigen Lebens in unserem Territorium"

Quelle: Desde Abajo

Medellín. Der zehn Tage andauernde Streik von Goldbergleuten im Departamento Antioquia ist am Mittwoch beendet worden, nachdem der Gouverneur offiziell eine Verhandlungskommission mit Delegierten der lokalen Behörden, der Bergbaubewegung und des kanadischen Konzerns Gran Colombia Gold gebildet hat. Seit dem 19. September hatten 15.000 Goldbergleute der Landkreise Remedios und Segovia im Norden Antioquias Protestcamps wegen eines neuen Dekrets des Bergbauministeriums zur Schließung von nicht registrierten Goldbergwerken errichtet.

Die Streikenden hatten der Regierung vorgeworfen, mit dem Dekret im Sinne des Konzerns Gran Colombia Gold gehandelt zu haben. Die kanadische Firma, die seit 2011 eine zeitlich unbeschränkte Bergbaukonzession für den Goldabbau auf 80 Prozent des Bodens von Segovia besitzt, wolle kleine und mittelgroße Goldschürfbetriebe aus dem Geschäft vertreiben, erklärte der Generalsekretär des nationalen Bergbaubündnisses, Rubén Darío Gómez. Das wäre der Ruin für 150.000 Personen.

Die meisten kleinen Goldbergwerke befinden sich wegen der hohen Kosten des Legalisierungsverfahrens in der Informalität. Es sei außerdem üblich, dass die zuständigen Beamten sich hohe Geldsummen unter dem Tisch zahlen lassen, um eine Bergbauberechtigung zu erteilen, klagt der Sprecher der Kleinbergbaubewegung Eliober Castañeda. Aktuell gebe es nur 35 formelle Goldbergwerke, aber mindestens 160 bleiben nach Angaben der Organisation von Opfern und Überlebenden des Nordosten Antioquias (Asovisna) ohne Konzession.

2015 hatte sich die Regierung vor einer Kommission der damals streikenden Bergleute dazu verpflichtet, die Legalisierung der informellen Goldbergwerke voranzubringen. Das neue Dekret, das am 1. September erlassen wurde, widerspreche somit der damaligen Vereinbarung, sagt Castañeda.

Darüber hinaus sind die Bergleute mit der Kooperation, die der Bergbaukonzern den Bergarbeitern vorgeschlagen hat, nicht zufrieden. Es handele sich um einjährige Verträge, die sie zwingen, dem Konzern zwischen 60 und 70 Prozent ihrer Umsätze zu überlassen, obwohl die Firma gar keine Kosten übernimmt. Ein Jahr sei zu kurz, um die Investitionskosten des Goldschürfens zu amortisieren, erklärt Castañeda. Die Bergleute müssen zudem das Trennen des Golds vom Gestein dem Konzern überlassen und verlieren so die Kontrolle über die Messung der Goldmengen, die ihre Bezahlung definiert. Kleine Goldbetriebe sollen an solchen Verträgen bereits pleitegegangen sein.

Von dem kanadischen Unternehmen waren während des Streiks stigmatisierende Aussagen zu hören: Die Firma hat die Streikenden als "eine Gruppe von Banditen" bezeichnet, die "die Bevölkerung und unsere Anlagen als Geisel genommen haben". Am sechsten Streiktag ging die Aufstandsbekämpfungseinheit (ESMAD) gegen die Mobilisierten mit Gewalt vor. Als Folge davon gab es zwölf Verletzte. Danach wurde die Zone auch durch die Armee komplett militarisiert.

Zu den Forderungen der Streikenden gehört eine Reform des Bergbaugesetzes, das den traditionellen kleinen Bergbau legalisiert. Die Regierung müsse außerdem zwischen informellem und illegalem Bergbau unterscheiden. In staatlichen Krieg gegen die Kriminalität, die es auch im Bergbaugeschäft gibt, werden auch Kooperativen, Genossenschaften oder Familienbetriebe, die seit 40 Jahren in der Region Gold abbauen, verfolgt. Ebenso fordern die Streikenden die Regierung auf, sie zu schützen. Sie hätten wiederholt per Brief und Telefon Todesdrohungen bekommen. Es seien außerdem in jüngster Zeit in Segovia und Remedios mehrere ungeklärte Morde an jungen Bergleuten geschehen.

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