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31.12.2016 Kolumbien / Politik

Friedensbewegung trotz Abkommens mit Farc skeptisch gegenüber Regierung Santos

Rivera ist einer der Begründer der neuen Organisation "Voces de Paz", die eine politische Plattform für die Farc sein wird

Rivera ist einer der Begründer der neuen Organisation "Voces de Paz", die eine politische Plattform für die Farc sein wird

Quelle: Telesur

Bogotá. Friedensaktivisten in Kolumbien haben sich trotz des Friedensabkommens zwischen der Regierung und der Farc-Guerilla kritisch zur Staatsführung von Präsident Juan Manuel Santos geäußert. Die Unterstützung für den Friedensprozess bedeute nicht auch eine Unterstützung der Regierung Santos, sagte Jairo Andrés Rivera, Politikwissenschaftler und Vertreter der im Dezember 2016 gegründeten politischen Organisation Voces de Paz ("Stimmen des Friedens"). Es gehe vielmehr darum, die politische Realität in Kolumbien zu verändern.

Erst "wenn die Kolumbianer verstehen, dass Vergebung besser ist als Krieg" könne es in einer an Gewalt gewöhnten Gesellschaft zu einer ethischen Veränderung kommen, so Rivera.

Die Bewegung "Voces de Paz" soll laut Medienberichten als politische Plattform für die demobilisierenden Mitglieder der Revolutionären Streikkräften Kolumbiens (Farc) dienen und den Übergang der Guerillaorganisation in eine Partei ermöglichen. Rivera führte aus, dass "Voces de Paz" eine politische Organisation sei, die sich auf dem Friedensabkommen begründe und die Aufgabe übernommen habe, die Umsetzung des Abkommens zu begleiten und zu verteidigen, während die Farc ihre Waffen abgeben. "Voces de Paz" sei keine Partei der Farc. Die Organisation könne aber ein erster Schritt hin zu einer neuen politischen Partei sein.

Rivera kritisierte zugleich, dass Teile der kolumbianischen Rechten das Bild von den Guerillamitgliedern der Farc für eine Kampagne gegen den Frieden nutzen. Die Partei Demokratisches Zentrum (Centro Democrático) des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) und andere Gruppierungen der kolumbianischen Rechten würden weiterhin die Farc als das Hauptproblem Kolumbiens darstellen, weil diese den Kern ihres politischen Diskurses ausmachten, sagte er.

Obwohl das Friedensabkommen bei einer Volksabstimmung am 2. Oktober abgelehnte wurde, hat es nach Riveras Meinung drei Möglichkeiten geschaffen: die Erweiterung der Demokratie, den Verzicht auf politische Gewalt als Hauptinstrument der kolumbianischen Eliten und Gerechtigkeit durch die Übergangsjustiz.

Rivera wies darauf hin, dass in Kolumbien ein Übergang von einem "latenten Ausnahmezustand" zu einem "Staat für den Frieden" erforderlich ist. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Farc zum Frieden bereit seien.

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