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27.03.2017 Kolumbien / Venezuela / Militär / Politik

Venezuelas Militär bekämpft Paramilitärs aus Kolumbien

Die Gaitanistischen Selbstverteidigungstruppen sind landesweit aktive Paramilitärs

Die Gaitanistischen Selbstverteidigungstruppen sind landesweit aktive Paramilitärs

Caracas/Bogotá. Venezolanische Militäreinheiten haben im Bundesstaat Tachira im Grenzgebiet zu Kolumbien ein Lager mit 120 Paramilitärs aufgelöst. Dort wurden Uniformen der kolumbianischen und venezolanischen sowie der US-Armee entdeckt. Außerdem wurden Granatwerfer, Handgranaten, Maschinengewehre und Raketenwerfer beschlagnahmt. 

Auf einer Pressekonferenz erläuterte Tachiras Gouverneur, José Gregorio Vielma Moro, die Einzelheiten der Operation. Neben Uniformen verschiedener Nationalitäten und Kriegswaffen seien detaillierte Aufstellungen des An- und Verkaufs von Waffen und Treibstoff sowie Namenslisten von künftigen Opfern von Entführungs- und Erpressungsdelikten gefunden worden. Im Lager sichergestellte Uniformen tragen das Abzeichen der in Kolumbien bekannten paramilitärischen Organisation "Gaitanistische Selbstverteidigung! (ACG).

Der Gouverneur berichtete, dass zwischen neun und zwölf Paramilitärs bei der Einnahme des Lagers, die stundenlange Gefechte auslöste, getötet wurden. Zwei Soldaten der venezolanischen Armee wurden mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Er wies die Behauptung zurück, dass die Souveränität des kolumbianischen Luftraums durch Hubschrauber aus Venezuela verletzt worden sei. Der Vorwurf soll Gegenstand von direkten Gesprächen auf Regierungsebene sein. Die Bevölkerung des venezolanisch-kolumbianischen Grenzgebietes zeigte bereits seit Monaten vermehrt Raubüberfälle, Viehraub und Erpressungen durch kolumbianische Paramilitärs an.

Kolumbiens Militär hat bislang nicht eingegriffen, die Regierung weigert sich, die Existenz von Paramilitärs im Land überhaupt anzuerkennen.

Am 17. März haben mehrere soziale Organisationen vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (CIDH) neben verschiedenen Klagen über die Nichterfüllung der Friedensvereinbarungen durch den kolumbianischen Staat auch dieses Thema zur Sprache gebracht. Sie forderten, dass die Regierung die Existenz und die Operationen der Paramilitärs im Land anerkennen müsse. Das sei der erste Schritt, um sie überhaupt bekämpfen zu können. Die Regierungsvertreter argumentieren jedoch, eine Anerkennung würde den sogenannten kriminellen Banden (Bacrim) einen politischen Status verleihen. Dagegen sprechen mehrere Urteile des Obersten Gerichts, in denen geklärt worden ist, dass die Paramilitärs keinen politischen Status erhalten, da sie den Staat nicht angreifen.

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