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04.10.2017 Puerto Rico / USA / Politik / Soziales / Umwelt

US-Präsident in Puerto Rico, Hilfslieferungen angelaufen

Der Hurrikan "Maria" führte zu Überschwemmungen und hinterließ eine Spur der Zerstörung in Puerto Rico

Der Hurrikan "Maria" führte zu Überschwemmungen und hinterließ eine Spur der Zerstörung in Puerto Rico

San Juan/Washington. Inmitten heftiger Kritik an mangelnder Unterstützung seiner Regierung hat US-Präsident Donald Trump am gestrigen Dienstag rund zwei Wochen nach dem Durchzug des Hurrikans "Maria“ die verwüstete Karibikinsel Puerto Rico besucht.

Am Tag zuvor erklärte der puertoricanische Gouverneur Ricardo Rosselló, es gebe langsame Fortschritte bei der Versorgung mit Trinkwasser und Kraftstoff und man hoffe, bis in einem Monat die Elektrizität auf der Insel zu 25 Prozent wiederherstellen zu können. Zugleich kritisierte er erneut die fehlende Hilfe der US-Regierung und forderte den Erlass der Schulden, die sich auf 70 Milliarden US-Dollar belaufen. Für den Wiederaufbau nach dem Hurrikan brauche Puerto Rico mehr als 60 Milliarden Dollar, so Rosselló.

Die Bürgermeisterin der Haupstadt San Juan, Carmen Yulín Cruz, hatte die Trump-Administration scharf kritisiert: "Wir sterben hier und ihr tötet uns durch Ineffizienz und eure Bürokratie", sagte sie bei einer Pressekonferenz. Es sei unverständlich, dass die USA nicht in der Lage seien, "die Logistik für eine kleine Insel zu organisieren". Cruz wies zudem darauf hin, dass die effektivste Hilfe bislang von "großzügigen Bürgermeistern aus den USA und großzügigen Ländern wie Venezuela" komme. Die venezolanische Regierung hatte bereits am 25. September zugesagt, Hilfsgüter und Benzin zu liefern.

Solche Lieferungen sind erst seit dem 28. September möglich, nachdem Trump die Freistellung Puerto Ricos vom sogenannten Jones Act für zehn Tage verfügte. Der Jones Act von 1920 sieht vor, dass Schiffe, die Güter von einem US-Hafen zum nächsten transportieren wollen, in den USA hergestellt worden sein müssen, US-Staatsangehörigen gehören und von US-Bürgern betrieben werden müssen. Ausländischen oder im Ausland gebauten Schiffen ist der direkte Transport von Gütern und Passagieren nach Puerto Rico, das den Status eines assoziierten Freistaates der USA hat, prinzipiell untersagt. Für die Karibikinsel erwies sich dies nach dem Sturm als katastrophal, weil dadurch die Nothilfe unnötig verzögert und verteuert wurde. Gouverneur Rosselló und mehrere Abgeordnete des US-Kongresses haben indes eine Freistellung von einem Jahr für Puerto Rico verlangt, da es nach Schätzungen der Behörden bis zu sechs Monate dauern könnte, bis die Stromversorgung auf der ganzen Insel mit ihren 3,4 Millionen Einwohnern wiederhergestellt sei. Ferner argumentieren sie, dass dringend Lebensmittel, Medikamente, Kleidung und andere Versorgungsgüter auf der Insel gebraucht werden.

Am 20. September dieses Jahres traf Hurrikan "Maria" mit voller Wucht auf die Südost-Küste Puerto Ricos und hinterließ eine Spur der Zerstörung. Fast alle Einwohner der Insel sind weiterhin ohne Strom. Zudem sind zahlreiche Regionen von der Kommunikation abgeschnitten.

Puerto Rico wurde 1898 von den USA besetzt und hat seit Juli 1952 den Status eines "frei assoziierten Staates der USA". Dies bedeutet einen gewissen Grad an Autonomie, wobei die Verteidigung, die Grenzregelungen und die internationale Politik von Washington bestimmt werden.

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