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07.10.2017 Chile / Politik / Wirtschaft

Präsident der Börse in Chile macht Wahlkampf für Sebastian Pin͂era

Trommelt für Pin͂era: Juan Andrés Camus, Chef der chilenischen Börse, hier bei der Eröffnungsrede der "Weltwoche des Investors 2017" am 3. Oktober in Santiago

Trommelt für Pin͂era: Juan Andrés Camus, Chef der chilenischen Börse, hier bei der Eröffnungsrede der "Weltwoche des Investors 2017" am 3. Oktober in Santiago

Santiago. Juan Andrés Camus, Chef der chilenischen Börse, hat sich in den Wahlkampf eingeschaltet. Wenn der Konservative Sebastian Pin͂era nicht zum Präsidenten gewählt werde, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zu einem Absturz der Aktienkurse käme, erklärte Camus am 4. Oktober in einem Interview mit der konservativen Tageszeitung El Mercurio. Die Empörung unter den anderen Kandidaten ist groß.

Präsidentin Michelle Bachelet hatte die derzeit steigenden Börsenkurse als Anzeichen dafür bezeichnet, dass sich die Wirtschaft wieder erhole. Camus widersprach ihr in dem Gespräch mit dem Mercurio. Die Gründe für eine Erholung der Aktienkurse seien vielfältig. In der gesamten Region gebe es diese Tendenz, die internationalen Kapitalströme hätten sich erhöht und die steigenden Kurse drückten eine Erwartung aus. Dann stellte er einen Zusammenhang zu den Wahlen in Chile her und wertete den Aufwärtstrend als Zeichen dafür, dass die Anleger auf einen anderen wirtschaftlichen Kurs unter Pin͂era hofften. Für Investoren seien die positiven Prognosen für den Kandidaten der Konservativen eine gute Nachricht, so Camus weiter. Er hat selbst 13 Millionen chilenische Pesos in Pin͂eras Wahlkampf gesteckt, das entspricht knapp 19.000 Euro. Insgesamt haben Unternehmen Pin͂era 90 Millionen Pesos zur Verfügung gestellt.

Regierungssprecherin Paula Narváez erklärte, es sei bedauerlich, wenn ein Amtsträger Meinungsäußerungen von sich gebe, die eine Wahlempfehlung darstellten. Alejandro Gulliver, Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei innerhalb der Fuerza de la Mayoría, sprach von einer „Panikattacke“ Pin͂eras. Dieser werde auch im zweiten Wahlgang nicht gewinnen. Carolina Goic von der Christdemokratischen Partei warnte davor, Angst zu verbreiten. Ihr gefalle diese Aktion nicht, erklärte sie. Der Koordinator ihrer Wahlkampagne forderte die Börse auf, Camus seines Amts zu entheben. Beatrix Sanchez vom Linksbündnis Frente Amplio kommentierte, Camus kümmere sich nur um seine Geschäfte und nicht um das Wohl der Menschen.

Aus Sicht des Anwalts Mauricio Daza Carrasco, der in den vergangenen Jahren in einigen Fällen der Ermittlung wegen Korruption aktiv war, könnte die Äußerung von Camus rechtliche Konsequenzen haben. Dieser dürfe als Chef der Börse zu möglichen zukünftigen Kursentwicklungen keine Position beziehen. Außerdem seien dessen Informationen unklar und könnten sich als falsch herausstellen. Daza forderte eine Untersuchung durch die Börsenaufsicht.

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