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Großmütter der Plaza de Mayo finden 125. in Militärdiktatur entführte Enkelin

Die Abuelas de la Plaza de Mayo bei einem Protestzug im Jahr 1982

Seit 1977 sind die Großmütter vom Plaza de Mayo auf der Suche nach den geraubten Kindern der Militärdiktatur in Argentinien. Hier zu sehen bei einem Protestzug im Jahr 1982

Buenos Aires. Am vergangenen Freitag hat die argentinische Menschenrechtsorganisation Großmütter vom Plaza de Mayo (Abuelas de la Plaza de Mayo) die Identifizierung der 125. unter der Militärdiktatur geraubten Enkelin bekanntgegeben. Dieses Ergebnis hatten am Tag zuvor Gentests bestätigt.

Bei der Zeremonie zum 40-jährigen Bestehen der Abuelas im Kirchner-Kulturzentrum in Buenos Aires hat die Vorsitzende der Organisation Estela de Carlotto die von Beifall begleitete Nachricht bekanntgegeben. "In tiefster Rührung, im Rahmen dieser wundervollen Veranstaltung, mit den Freunden von jeher, unter Beisein der Enkel, geben wir die Wiedergewinnung der Tochter von Lucía Rosalinda Victoria Tartaglia bekannt", las Carlotto aus der Pressemitteilung der Abuelas vor.

Lucía Tartaglia war am 27. November 1977 von der Polizei in La Plata in der Provinz Buenos Aires verschleppt worden und war seitdem verschwunden. Sie hatte an der Universität in La Plata Jura studiert und war in der Peronistischen Jugend aktiv gewesen. Ein Jahr nach ihrem Verschwinden hatte ihre Familie durch einen Brief von ihr von der Gefangenschaft erfahren. So hatte Lucía ihnen auch von ihrer Schwangerschaft berichtet. Seitdem ist ihre Familie auf der Suche sowohl nach Details zu Lucías Verbleib als auch nach dem Kind der bisher Verschwundenen.

Mittlerweile ist bekannt, dass sie in dem "Atlético-Banco-Olimpo" (ABO III) genannten System aus versteckten Haft- und Folterzentren im Süden der Stadt Buenos Aires inhaftiert war. Vierzehn Verantwortliche des Unterdrückungsapparates der Diktatur, die in diesen Haft- und Folterzentren gearbeitet hatten, wurden bereits im Jahr 2011 für das Verschwindenlassen von Lucía Tartaglia verurteilt.

Die Abuelas de la Plaza de Mayo sind ein Zusammenschluss von den Großmüttern der während der Diktatur in Gefangenschaft geborenen und dann verschleppten Kinder. Von 1977 bis heute sind auf der Suche nach mehr als 300 noch immer verschwundenen Enkelkindern.

Seit dem Beginn der Präsidentschaft von Mauricio Macri wird die Suche der Abuelas nach den geraubten Kindern zunehmend erschwert. Bereits 2016 hatte die Regierung Macris die für diesen Bereich zuständige Sondergruppe für Rechtshilfe (GEAJ) aufgelöst. Bis heute spielen Regierungsvertreter und Angestellte der Verwaltung von Präsident Macri die Opferzahlen runter.

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