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21.11.2017 Bolivien / Politik

Bolivien: Opposition führt rassistische Kampagne gegen Morales

Die Opposition macht mit rassistischen Darstellungen Stimmung gegen Morales Wahlkandidatur in Bolivien

Die Opposition macht mit rassistischen Darstellungen Stimmung gegen Morales Wahlkandidatur in Bolivien

La Paz. Mehrere Äußerungen in sozialen Netzwerken der vergangenen Wochen legen die Vermutung nahe, dass die Opposition in Bolivien ihre Kampagne gegen den amtierenden Präsidenten Evo Morales verschärft und selbst vor rassistischen Stereotypen nicht zurückschreckt. Ausgelöst hat die Debatte Kommunikationsministerin Gisela López Rivas. Sie wirft der Opposition nun direkt vor, eine rassistische Kampagne gegen das erste indigene Staatsoberhaupt des Landes zu führen.

Die Ministerin hatte Morales eine Torte einem Twitter-Emblem geschenkt. Das Präsent war für den seit beinahe zwölf Jahren amtierenden Präsidenten nicht nur zum Geburtstag gedacht, sondern auch eine Anerkennung seines medialen Erfolges, weil er einer der meistgelesenen Twitter-Nutzer im Land ist. Ihre Behauptung, Morales sei mit etwa 265.000 Followern die bolivianische Nummer 1 auf Twitter, provozierte jedoch Widerspruch. Der ehemalige Präsident und Vizepräsident Carlos Mesa hat schließlich rund 320.000 Twitter-Fans.

Die Regierung Morales erklärte daraufhin, diese Diskrepanz sei auf die vergleichsweise längere Zeit zurückzuführen, die Mesa bereits über das Medium kommuniziere. Offenbar reagierten einige User mit herablassenden Kommentaren, die auf Morales’ indigene und bäuerliche Herkunft Bezug nahmen. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen nicht einmal die spanische Sprache zu beherrschen. "Es handelt sich hier um eine schwerwiegende Diskriminierung, denn unser Präsident hat eine bäuerliche Herkunft, er sprach eine andere Muttersprache", so López Rivas. Sie wirft der Opposition vor, den ersten indigenen Präsidenten in den sozialen Medien rassistisch zu diskriminieren, um seine Wiederwahl im Jahre 2019 zu verhindern. Nicht nur diskriminierende Tweets, auch rassistische Memes des Staatsoberhauptes seien im Umlauf. Die Karikaturen stellen Morales beispielsweise mit Kokablättern, Hammer und Sichel im Gepäck oder indigenen rituellen Gegenständen dar.

Die Regierungspartei Movimiento al Socialismo (MAS) sucht derzeit nach legalen Wegen, Morales eine erneute Kandidatur zu ermöglichen. Nach geltendem Recht des plurinationalen Staates ist es nach drei Amtszeiten eigentlich nicht möglich, sich wieder zur Wahl zu stellen. Ein Referendum im Jahre 2016 hatte ebenfalls ein knappes Ergebnis gegen die Wiederwahl ergeben. Bis 12. Dezember prüft das bolivianische Verfassungsgericht das Gesuch der MAS, eine Interpretation der Verfassung zuzulassen, die eine Wiederwahl dennoch ermöglichen würde.

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