Venezuela führt Kryptowährung Petro ein

Alternativwährung soll durch Rohstoffe wie Erdöl und Gold gedeckt sein. Zutrauen aber auch Skepsis bei Experten. Chávez sprach 2009 erstmals vom Petro

38812466472_5f0ea08b9e_z.jpg

Venezuela führt den Petro als Alternativwährung ein. Er soll durch Öl und weitere natürliche Ressourcen gedeckt sein
Venezuela führt den Petro als Alternativwährung ein. Er soll durch Öl und weitere natürliche Ressourcen gedeckt sein

Caracas. Die Ankündigung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, die Kryptowährung Petro einzuführen, ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Maduro hatte im  Dezember zunächst den Plan öffentlich gemacht und anschließend erste Details zur geplanten Umsetzung genannt. Der Petro soll die erste Kryptowährung sein, deren Wert nicht einzig auf Spekulation beruht, sondern reale Gegenwerte hat. Dafür kommen neben Rohöl auch Gold, Erdgas und Diamanten infrage. Venezuela scheint so einen weiteren Versuch zu unternehmen, der hohen Inflation, dem Misstrauen in den Bolívar und der latent drohenden und in Teilen schon umgesetzten Blockade von Vermögen in US-Dollar zu begegnen.

Die Regierung hat für den Beginn angekündigt, jeden Petro mit einem Barrel Rohöl (159 Liter) zu decken. Dabei sollen in einem ersten Schritt fünf Milliarden Barrel Rohöl festgeschrieben werden. Dies entspricht momentan etwa 267 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus sollen aber auch weitere Rohstoffe wie Gold und Erdgas als Gegenwert Vertrauen und Wertstabilität garantieren. David Jaramillo, Experte für Kryptowährungen und Blockchains, sieht darin ein "intelligentes Vorgehen" und somit eine Zukunftsfähigkeit der Idee.

Venezuela verfügt mit über 300 Milliarden Barrel über ein Viertel der global nachgewiesenen Reserven an Rohöl und ist damit weltweit führend. Außerdem gibt es unter anderem auch Goldreserven in beträchtlicher Menge, 2015 waren es über 350 Tonnen. Dabei hat die Förderung im vergangenen Jahr deutlich zugenommen und sich gleichzeitig die Reserven der Nationalbank um 8,5 Tonnen erhöht. Das Land besitzt auch Vorkommen von über 30 Millionen Karat an Diamanten. Trotzdem ist die Inflation und damit die Entwertung des Bolívar ein gravierendes wirtschaftliches Problem. Bisherige Versuche der Regierung über die vergangenen Jahre, die Inflation in den Griff zu bekommen, waren gescheitert.

Das Grundkonzept des Petros, das vor wenigen Tagen vorgestellt wurde, sieht vor, eigens eine Kontrollbehörde zu schaffen, deren Leiter vom Präsidenten direkt berufen wird. Der Petro kann entweder in andere Kryptowährungen oder den Bolivár getauscht werden. So sollen spezielle Wechselbüros als zentrale Stelle für den Umtausch und die Organisation der generellen Infrastruktur eingeführt werden.

Die Intension scheint klar zu sein: Venezuela möchte sich eine Möglichkeit schaffen, unabhängig vom US-Dollar, dem spekulationsbedingten Rohölpreis und internationaler Blockadepolitik liquide zu bleiben.

Einige Wirtschaftsexperten haben sich jedoch bereits skeptisch über die Pläne geäußert und den Petro als nicht umsetzbar und zukunftsfähig bezeichnet.

Steve H. Hanke, Professor für angewandte Wirtschaftsforschung in den USA, zeigt sich zwar generell überzeugt von einer Kryptowährung "mit konstanter Kaufkraft, die dadurch gesichert ist, dass sie in einen Korb von mehreren Rohstoffen konvertierbar ist." Er habe dies selbst bereits vorgeschlagen, um diese Währungen auf solidere Beine zu stellen. Jedoch traue er Venezuela nicht zu, den Vorreiter zu spielen. Seiner Meinung nach ist die Regierung nicht in der Lage, die versprochene Rohstoffsicherheit zu geben: "Sie haben überhaupt kein Gold und sie haben keine Diamanten. Sie haben eine Menge Ölreserven, aber die Ölproduktion geht zurück." Zwar war die Ölförderung zuletzt in der Tat rückläufig. Jedoch ist das Potential durch die nachgewiesenen Reserven dieser Bodenschätze definitiv vorhanden und die Aussage Hankes damit weitgehend widerlegt.

Auch eine konstant verlässliche Stromversorgung und entsprechende Rechnerkapazitäten könnten für das einer Kyptowährung zugrunde liegende "Mining", also dem eigentlichen Schaffen der Währung, ein Problem darstellen. Es benötigt auch eine verlässliche Zahl an Experten (Minern), die bei der Umsetzung beteiligt sind. Jedoch müssen diese nicht in Venezuela an Rechnern sitzen. Angeblich haben sich bereits 860.000 Personen weltweit registriert. Dies ist noch bis 21. Januar möglich.

Der venezolanische Parlamentarier José Guerra vom Oppositionsbündnis Tisch der Demokratischen Einheit sieht vielmehr darin ein Risiko für die Zukunft des Landes, nationale Reserven an Rohstoffen zu veräußern, um gegenwärtige wirtschaftliche Probleme zu lösen. Auch der Wirtschaftsanalyst Henkel García hat Bedenken ob der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens in die aktuelle Regierung bei internationalen Investoren: "Das Vertrauen in Währungen entspricht dem Vertrauen in die jeweiligen Regierungen und deren Wirtschaft. Venezuela fehlt es an beidem.“

Die Idee einer auf Erdöl basierenden Währung ist indes nicht neu: Der im März 2013 verstorbene frühere Präsident von Venezuela, Hugo Chávez, hatte ein solches Vorhaben bereits im Jahr 2009 geäußert. Schon damals wollte er mit China und Russland dahingehend kooperieren. Allen voran Russland scheint auch heute noch ein möglicher Partner. So erwägt Russland Berichten zufolge, den sogenannten Kryptorubel einzuführen, um Wirtschaftssanktionen des Westens umgehen zu können und einer möglichen Swift-Blockade durch die Europäische Union zu begegnen.

Auch die Bindung einer Währung an Rohstoffe gab es bereits in der Vergangenheit: Der US-Dollar war bis zum Ende des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1970er Jahre direkt an die jeweiligen Goldreserven eines Landes gekoppelt. US-Präsidenten Richard Nixon stoppte 1971 die nominale Goldbindung des Dollar, da die Auslandsschulden der USA den Gegenwert in Gold deutlich überstiegen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr