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Venezuela: 18 Bergleute bei angeblichem Feuergefecht mit Armee getötet

Laut Behörden waren die Opfer der Schusswechsel illegale Bergleute. Soldaten angeblich mit schweren Waffen bedroht. Opposition spricht von "Massaker"
Illegaler Bergbau nahe der Goldmine Cicapra de Guasipati im südöstlichen Bundesstaat Bolívar in Venezuela

Illegaler Bergbau nahe der Goldmine Cicapra de Guasipati im südöstlichen Bundesstaat Bolívar in Venezuela

Ciudad Bolívar, Venezuela. Achtzehn Menschen sind am Samstag bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in Venezuela nahe der Goldmine Cicapra de Guasipati im südöstlichen Bundesstaat Bolívar getötet worden. Nach offiziellen Angaben waren die 17 Männer und eine Frau illegale Goldgräber.

"Alle Opfer wiesen Schussverletzungen auf, die Folgen von Zusammenstößen zwischen staatlichen Sicherheitskräften und einer in der Zone aktiven bewaffneten Gruppe waren", sagte ein Vertreter des Militärs gegenüber der lokalen Zeitung Correo del Caroní. Die Gruppe sei mit einem FAL-Gewehr, vier Kurzwaffen, einer Schrotflinte und zwei Granaten ausgerüstet gewesen.

Der Gouverneur von Bolívar, Josto Noguera hat indes bestätigt, dass ein Militärkontingent an einer Operation in der Region teilgenommen hat, aber keine weiteren Einzelheiten zu den Opfern genannt. "Ja, es gab einen Angriff auf eine Militärabteilung, die Aufgaben zur Verteidigung der Souveränität durchführte. Ich bin zu diesem Zeitpunkt nicht befugt, Zahlen zu nennen", sagte er Reportern.

Der oppositionelle Abgeordnete Rachid Yasbek hat derweil die Darstellung des Militärs in Frage gestellt und den Vorfall als "Massaker" bezeichnet. "Die Familienangehörigen sagen, dass keiner der Verstorbenen eine strafrechtliche Vorgeschichte hat. Einige sind Bergleute und andere Verkäufer", sagte er. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete Yasbek das Foto eines angeblichen Autopsieberichtes, in dem "Schusswunde am Kopf" als Todesursache aufgeführt wird. Die von der Opposition dominierte Nationalversammlung wird ihre eigene Untersuchung des Falles einleiten.

Der Vorfall ist der blutigste seit dem Massaker von Tumeremo im Jahr 2016, bei dem mindestens 17 Bergleute von einer kriminellen Gruppe ermordet wurden, die den illegalen Goldbergbau in der Region kontrolliert.

Der illegale Bergbau ist seit langem ein großes Problem im mineralreichen Bundesstaat Bolívar. Er hat zu schweren Umweltzerstörungen und einer Vielzahl sozialer Missstände geführt, darunter Prostitution, grenzüberschreitender Schmuggel, Alkoholismus und Bandengewalt. Kriminelle Netzwerke üben oft eine beträchtliche Kontrolle über die örtlichen Gemeinden aus.

Im Jahr 2016 erklärte die Regierung von Präsident Nicolás Maduro 112.000 Quadratkilometer der Region zur Sonderwirtschaftszone für die Entwicklung des Bergbaus in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Firmen unter Aufsicht der Streitkräfte. Das als "Minen-Bogen" (Arco Minero) bekannte Projekt wurde auch als Initiative vorgestellt, um den Goldbergbau unter nationale Kontrolle zu bringen und gegen kriminelle Gruppen vorzugehen.

Dennoch wurde das Projekt von sozialen Bewegungen wegen mangelnder Transparenz in den Details der Abkommen, unzureichender Konsultation der lokalen indigenen Gemeinschaften sowie Bedenken hinsichtlich der sozialen und ökologischen Auswirkungen kritisiert.

Im März wird die venezolanische Regierung eine neue Registrierungsrunde für diejenigen eröffnen, die am Bergbau in der Region teilnehmen wollen, um den Status der lokalen Bergleute zu legalisieren.

Im vergangenen November und Dezember haben sich nach offiziellen Angaben 20.000 Bergleute im Rahmen des Regierungsprogramms registrieren lassen.

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