Kolumbien / Politik

Abgeordnete in Kolumbien rufen zum Dialog zwischen politischer Mitte und Linken auf

Nach Sieg der Ultrarechten bei Parlamentswahlen soll eine Allianz der Mitte-Links-Kräfte entstehen. Jugendliche fordern "große Koalition" gegen rechts

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Von links nach rechts: Die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Kolumbien Humberto de la Calle, Sergio Fajardo und Gustavo Petro sollen eine Kolation eingehen (Kollage Amerika21)
Von links nach rechts: Die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Kolumbien Humberto de la Calle, Sergio Fajardo und Gustavo Petro sollen eine Kolation eingehen (Kollage Amerika21)

Bogotá. Hinsichtlich der Präsidentschaftswahlen im Mai haben zehn Kongressabgeordnete der Grünen und der linksgerichteten Partei Demokratischer Pol (Polo Democrático, PD) zu einer Verständigung zwischen dem Kandidaten ihrer Koalition, Sergio Fajardo, dem Kandidaten der Liberalen Partei und Befürworter des Friedensprozesses, Humberto de La Calle, und dem linken Kandidaten des Projekts Menschliches Kolumbien, Gustavo Petro, aufgerufen. Grund sind die Ergebnisse der Parlamentswahlen am 11. März, bei denen die rechten Parteien die Mehrheit der Stimmen bekommen hatten.

Zu den Kongressabgeordneten, die den Koalitionsaufruf der linken und progressiven Kräfte unterschrieben haben, gehören Alirio Uribe und Iván Cepeda, zwei international bekannte Menschenrechtler des Polo Democrático. Auch tausende Menschen gingen auf die Straßen Bogotás, um ein Bündnis zwischen Petro, Fajardo und De la Calle zu fordern. Rund 50.000 Jugendliche richteten einen Brief an die drei Kandidaten und riefen sie auf "Hindernisse zu überwinden, um eine große Koalition bilden zu können, die die Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewinnen kann".

Bislang hat nur Petro Interesse an einem Zusammenschluss gezeigt. Mehrmals hatte er seine Konkurrenten zu einem Konsens über soziale Reformen und den Ausstieg aus der Rohstoffwirtschaft aufgerufen. Bei Fajardo, De la Calle und ihren Parteien heißt es jedoch, Petro sei extremistisch, polarisiere zu sehr und sei deshalb schädlich.

Obwohl keine der rechten Parteien trotz ihrer Überlegenheit bei den letzten Wahlen allein die nötigen Mehrheiten hat, um die erste Präsidentschaftswahlrunde am kommenden 27. Mai zu gewinnen, halten die Unterzeichner des Aufrufes den Dialog zwischen Petro, Fajardo und De la Calle für "dringend". Sollten sie nicht miteinander koalieren, ist das Risiko größer, dass nur ultrarechte Kräfte wie das Centro Democrático mit Iván Duque und Radikaler Wandel (Cambio Radical) mit Germán Vargas Lleras in die Stichwahl kommen. Sie haben bereits angefangen, Allianzen mit Fraktionen der traditionellen Parteien zu suchen.

Parallel zur Weigerung von Fajardo und De la Calle, sich mit Petro zu verbünden, haben Teile ihrer Basis dem linken Kandidat ihre Unterstützung erklärt, ebenso einige Kongressabgeordnete der Grünen und des Polo Democrático sowie Stadtteilräte dieser Partei. Die Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Ángela María Robledo, ist aus der Grünen Partei ausgetreten, um Vizepräsidentschaftskandidatin für Petros Projekt des Menschlichen Kolumbiens zu werden.

Nach der Parlamentswahl haben die unabhängigen Parteien zusammen mehr Sitze im Senat. Petro seinerseits hat bei der linken Kandidatenwahl mit 2,8 Millionen Stimmen die höchste Stimmenzahl bekommen, die ein Linker Anwärter in der Geschichte Kolumbiens je hatte. Jedoch waren die traditionellen und ultrarechten Parteien nicht nur bei der Parlaments- sondern auch bei der Kandidatenwahl die stärkste Kraft. Gemeinsam haben sie 72 Prozent der Sitze im Senat und 82 Prozent der Sitze im Repräsentantenhaus gewonnen. Die linken und progressiven Alternativ-Parteien sind zusammen auf 25 Prozent der Sitze im Senat und auf 10 Prozent der Sitze im Repräsentantenhaus gekommen. Die rechte Kandidatenwahl hat 6,1 Millionen Wähler angezogen, die linke Kandidatenwahl 3,5 Millionen.

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