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24.03.2018 Mexiko / Politik

Mexiko: Indigene beginnen Auswertung ihrer Wahlkampagne

Aufruf zur Unterschrift für die Präsidentschaftskandidatur von Marichuy in Mexiko

Aufruf zur Unterschrift für die Präsidentschaftskandidatur von Marichuy in Mexiko

San Cristóbal de las Casas. Der Nationale Indigene Kongress (CNI), der Indigene Regierungsrat (CIG) und die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) haben sich in einer gemeinsamen Erklärung zum Scheitern ihrer Initiative für eine Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen im Juli geäußert. Zum Stichtag am 19.Februar sei es nicht gelungen, die von der nationalen Wahlbehörde geforderten 866.593 Unterschriften für die unabhängige Kandidatur von María de Jesús Patricio Martínez, die als Marichuy bekannte Sprecherin des Rates, zu sammeln. Alle beteiligten und interessierten Personen und Gruppen werden aufgerufen, sich an einem "kollektiven, partizipativen, integrativen, ehrlichen und aufrichtigen" Auswertungsprozess der Initative zu beteiligen. Dafür wurde auch eine Mailadresse eingerichtet, an die Überlegungen und Analysen geschickt werden können. Am Ende der Mitteilung bekräftigen die Organisationen ihrer Widerstand und ihre Rebellion sowie den internationalen Charakter des Kampfes um eine "Welt, in die viele Welten passen" und kündigten weitere öffentliche Veranstaltungen im Lauf des Jahres an.

Marichuy hatte zusammen mit Vertretern indigener Völker das Land bereist, um mit  marginalisierten Teilen der Bevölkerung über die aktuelle Situation Mexikos zu sprechen und eine gemeinsame Strategie der Organisierung von unten zu entwickeln. Daneben wurde eine landesweites Unterstützungsnetzwerk gebildet, das 267.115 Unterschriften für ihre Kandidatur sammeln konnte.

Die Kampagne war immer wieder von Schwierigkeiten begleitet. So mussten die Unterstützungserklärungen per Smartphone in eine Onlinedatenbank des Wahlinstituts eingegeben werden, was die häufig abseits des Mobilfunknetzes lebenden indigenen und armen Bevölkerungsteile benachteiligte. Zudem wurde die Karawane des CIG im Januar im Bundesstaat Michoacán von einer Gruppe bewaffneter Personen angegriffen. Gegenwind kam auch von der Linken rund um den Präsidentschaftskandidaten des Wahlbündnisses Morena, Andrés Manuel López Obrador (Amlo). Dieser kritisierte wiederholt, dass die indigene Wahlinitiative zur Spaltung der progressiven Kräfte und somit zum Erhalt des Status Quo führen würde. Die Kampagne endete schließlich tragisch, als der Bus des CIG am 14. Februar verunglückte, wobei Eloisa Vega Castro, eine Aktivistin aus Baja California Sur, ums Leben kam und Marichuy sich den Arm brach.

Zuletzt war es immer wieder zu Spekulationen darüber gekommen, was die Nichtteilnahme des CIG an den Wahlen im Juli für die weitere strategische Ausrichtung der indigenen Bewegung in Mexiko bedeutet. So forderte etwa der Pfarrer und Menschenrechtsaktivist Alejandro Solalinde den Präsidentschaftskandidaten López Obrador dazu auf, die indigenen Organisationen in sein Regierungsprojekt zu integrieren. Ob dieser Vorschlag beim CNI oder dem EZLN auf viel Gegenliebe stoßen wird, ist fraglich. Der Anthropologe Gilberto López y Rivas, der dem EZLN und der Kampagne des CIG nahe steht, schloss eine Unterstützung von Amlo, den er als einen "weiteren Kandidaten des Systems" bezeichnete, kategorisch aus.

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