Weltbank-Programm verdrängt ländliche Gemeinden in Brasilien

sitz_weltbank_washington.jpg

Hauptquartier der Weltbank-Gruppe in Washington, USA
Hauptquartier der Weltbank-Gruppe in Washington, USA

Washington. Anlässlich der jährlichen Landkonferenz der Weltbank hat die internationale Menschenrechtsorganisation Fian (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) das Programm der Bank zur Landtitelvergabe im brasilianischen Bundesstaat Piauí scharf kritisiert. In einer Pressemitteilung heißt es, dort seien der lokalen Bevölkerung in den vergangenen Jahren "gewaltige Landflächen entzogen und illegal von großen Agrarkonzernen in Besitz genommen worden". Wenn dieses Weltbank-Programm ungeprüft weitergeführt werde, "öffnet es Tür und Tor für einen gefährlichen Ansturm von 'legalisiertem' Landgrabbing, welches tausende von Familien trifft und ein Ökosystem von globaler Bedeutung zerstört“.

Alleine in Piauí sind nach Angaben von Fian 11.000 Bauern von Zwangsvertreibung betroffen. Vier Millionen Hektar Land wurden privatisiert und von internationalen Unternehmen übernommen. Durch ausländische Pensionsfonds und andere Finanzunternehmen seien Hunderte Millionen Dollar in der Region investiert worden, um über brasilianische Zwischenhändler Ackerland zu erwerben. Interne Dokumente zeigten, dass sich die Weltbank des Umfangs der Landnahme und ihrer Auswirkungen in der Region bewusst ist.

"Die Weltbank tritt für Agrobusiness-Investoren in dieser wichtigen Region Brasiliens die Türen ein. Örtliche Bauern, die das Land seit Generationen bewohnen, werden auf der Jagd nach schnellem Profit verdrängt. Dies wird viele Existenzen kosten und gewaltige Auswirkungen auf die Umwelt haben", zitiert die Pressemitteilung Doug Hertzler von Action Aid USA, der an der aktuell laufenden Weltbank-Konferenz in Washington teilnimmt.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat sich laut Fian am 18. Dezember 2017 eingeschaltet und der Weltbank eine formelle Empfehlung zur Aussetzung des Landprogramms gegeben, die jedoch ignoriert wird. Auch habe die Behörde auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Verletzungen der Landrechte von traditionellen Gemeinschaften anzugehen, zu denen es bereits im Rahmen des Projekts der Weltbank gekommen ist.

Anlässlich der jährlichen Landkonferenz der Weltbank fordern brasilianische und internationale Organisationen die Bank daher auf, ihre Unterstützung für das Landtitelvergabe-Programm in Piauí einzustellen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr