Venezuela / Wirtschaft

Venezuela eröffnet erste Verarbeitungsanlage für Coltan

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Ein Teil der neuen Coltan-Verarbeitungsanlage in Venezuela, die vergangene Woche in Betrieb genommen wurde (Screenshot
Ein Teil der neuen Coltan-Verarbeitungsanlage in Venezuela, die vergangene Woche in Betrieb genommen wurde (Screenshot

Ciudad Piar, Bolívar. Die Regierung von Venezuela hat die erste Anlage des Landes zur Verarbeitung von Coltanerz in Betrieb genommen. Während einer Radio-und TV-Sendung von Präsident Nicolás Maduro berichtete Bergbauminister Víctor Hugo Cano, dass diese Produktionsstätte eine tägliche Verarbeitungskapazität von 160 Tonnen haben und damit die größte Anlage dieser Art in Lateinamerika sein werde. Sie soll dem südamerikanischen Land fast 7,8 Millionen Euro pro Tag einbringen.

Das weitgehend brachliegende staatliche Werk zur Förderung des Erzes in Ciudad Piar im Bundesstaat Bolívar wurde gemeinsam von den Staatsbetrieben Ferrominera Orinoco und Corporación Venezolana sowie einem Konsortium venezolanischer Privatunternehmen wiederhergestellt und erweitert. Das Land werde nicht länger nur Exporteur dieses Rohstoffes sein, so der Minister.

Der Chef der Firma Gold Marketing, Levy Bohórquez, erklärte bei der Eröffnung, es gebe einen Privatsektor, der bereit sei "für den Wohlstand Venezuelas zu arbeiten. Hier unterstützen wir ein venezolanisches Unternehmen mit venezolanischem Kapital, venezolanischen Arbeitskräften und venezolanischer Technologie". Gold Marketing hat laut Cono rund drei Millionen Euro investiert.

Coltan ist ein Tantal-Niob-Erz, aus dem vorrangig das Metall Tantal gewonnen wird. Seine wichtigste Anwendung liegt in der Herstellung von Hochleistungs-Elektrolytkondensatoren für die moderne Mikroelektronik und wird unter anderem bei der Herstellung von Mikroprozessoren, Mobiltelefonen und Notebooks sowie in der Medizintechnik eingesetzt. Tantal wird von der Deutschen Rohstoffagentur entsprechend als "Hochleistungsmaterial der Zukunft", eingestuft. Der Bedarf soll nach Schätzungen der Agentur bis zum Jahr 2035 für mikroelektrische Kondensatoren und Superlegierungen auf 1.070 bzw. 1.000 Tonnen ansteigen (2013: 128 bzw. 370 Tonnen).

Das neue Werk ist Teil der Bergbauprojekte im südöstlichen Bundesstaat Bolívar: In der als Minen-Bogen (Arco Minero) bezeichneten "strategischen Entwicklungszone" intensiviert die Regierung die Förderung und Verarbeitung von Bodenschätzen in Joint Ventures mit nationalen und internationalen Privatunternehmen. Kritiker befürchten, dass damit eine "Liberalisierung und Deregulierung" einhergeht, die transnationalen Konzernen Tür und Tor für Großprojekte öffnen. Auch warnen sie vor möglichen verheerenden ökologischen Folgen von Bergbauprojekten unter freiem Himmel. Durch die geplanten Erschließungen neuer Gebiete für den Bergbau würden zudem indigene Völker in ihrem Lebensraum schwer beeinträchtigt.

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