Chile / Menschenrechte

Chile: Wegen "Caso Bombas" Verurteilter im Gefängnis erstochen

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Solidaritätsbekundungen mit im Gefängnis sitzenden Aktivisten an einer Hauswand in Santiago, darunter dem nun ermordeten Kevin Garrido
Solidaritätsbekundungen mit im Gefängnis sitzenden Aktivisten an einer Hauswand in Santiago, darunter dem nun ermordeten Kevin Garrido

Santiago. Am 2. November ist der wegen Bombenanschlägen inhaftierte Kevin Garrido in der Haftanstalt Concesionada in Chiles Hauptstadt Santiago ermordet worden. Laut Presseangaben zeigen Videoaufnahmen aus dem Gefängnis wie dieser nach einem Streit von einem Mitgefangenen mit einer langen Stichwaffe mehrfach in den Oberkörper gestochen wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Mordes auch gegen zwei Gefängniswärter. 

Garrido, der in Medien als Anarchist bezeichnet wird, was er selbst allerdings ablehnte und teilweise obskure misanthrope Positionen vertrat, wurde wegen zwei ihm angelasteten Bombenanschlägen auf eine Gefängniswärterschule und eine Polizeiwache zu 17 Jahren Haft verurteilt. Garrido war einer der wenigen Verurteilten im viele Verfahren umspannenden "Caso Bombas"- Fall. So werden zahlreiche Sprengstoffanschläge in Santiago bezeichnet. Dabei wurden bevorzugt Banken, Polizeiwachen und Gebäude von Unternehmen oder staatlichen Institutionen angegriffen, die Verantwortlichen allerdings selten ermittelt. Bisherige Gerichtsverfahren gegen vermeintliche Anarchisten endeten oft mit einer Niederlage für die Ermittlungsbehörden.

Der Mord an Garrido wirft ein Schlaglicht auf die Zustände in den Gefängnissen des Landes, in denen Gewalt an der Tagesordnung ist. Neben Übergriffen durch Wärter und Sonderkommandos beschrieb Garrido selbst in einem auf dem Portal contrainfo veröffentlichten Brief die Auseinandersetzungen zwischen Inhaftierten: "Ich habe niedergestochene Gefangene gesehen, Gefangene, die mit heißem Wasser verbrannt wurden. Ich habe gesehen wie ein Gefangener am Morgen ruhig die Treppe runtergelaufen ist, während ihm ein anderer Gefangener ein Messer in den Hals sticht." Garrido hatte vor seinem Tod nach diversen Problemen mit Mitgefangenen über seine Anwältin Maßnahmen zu seinem Schutz gefordert

Seit 2011 sind nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Leasur etwa 300 Gefangene bei Auseinandersetzungen im Gefängnis ums Leben gekommen. Nach einer im Mai 2018 präsentierten Studie des Nationalen Instituts für Menschenrechte, sind die Strafanstalten in Chile chronisch überbelegt, teilweise mit einer Auslastung von über 390 Prozent. 2010 waren im Gefängnis San Miguel, das ebenfalls überbelegt war, bei einem Brand 81 Insassen ums Leben gekommen.

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