Indigene in Kolumbien klagen erfolgreich gegen Erdölfirma

kolumbien_verfassungsgericht.png

Der Verfassungsgerichtshof hat einstimmig zugunsten der Awá-Gemeinde La Cabaña entschieden
Der Verfassungsgerichtshof hat einstimmig zugunsten der Awá-Gemeinde La Cabaña entschieden

Bogotá. Der Verfassungsgerichtshof von Kolumbien hat nach einem dreijährigen Rechtsstreit gegen eine Erdölfirma einstimmig zugunsten der indigenen Gemeinschaft der Awá entschieden. Das Innenministerium muss innerhalb von sechs Monaten eine Konsultation durchführen, um die Beeinträchtigung der Gemeinde La Cabaña aufgrund der Erkundung und Ausbeutung von Erdölvorkommen durch das Unternehmen Colombia Energy zu ermitteln.

Colombia Energy kann weiterarbeiten, bis die endgültigen Ergebnisse der Studie vorliegen. Das kolumbianisch-kanadische Konsortium muss unmittelbar Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen der Ölförderung ergreifen, so das Urteil. Das Innenministerium wird verpflichtet, die Awá-Gemeinde, das Unternehmen und die Umweltbehörden einzuberufen, um eine Einigung zu erreichen. Gelingt dies nicht, kann das Gericht die Einstellung der Unternehmensaktivitäten anordnen.

Colombia Energy hatte vom teilprivatisierten kolumbianischen Öl- und Gaskonzern Ecopetrol die Konzession auf 36.529 Hektar in Puerto Asís übernommen. Dort werden an 27 Bohrstellen täglich 14.000 Barrel Erdöl gefördert. Laut Finanzministerium würde ein Förderstopp für den Staat Verluste von 85 Milliarden Pesos (rund 23 Millionen Euro) bedeuten.

Der Verfassungsgerichtshof stellte klar, dass die Folgen der Erkundung und Ausbeutung von Erdölvorkommen auf das von Indigenen bewohnte Territorium oder das angestammte Gebiet der traditionellen Gemeinschaft ebenso wie die Auswirkungen auf  Umwelt, Gesundheit sowie die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Struktur der Gruppe anerkannt werden müssen. Dies treffe auch dann zu, wenn, wie im Fall der Gemeinde La Cabaña, die Konzession nicht unmittelbar für das geschützte Gebiet gelte. Die 24 Familien seien direkt betroffen, das Unternehmen habe Umweltschäden auf ihrem Land verursacht.

Gemeindeführer Juvencio Nastacuas Pai hatte in seiner Klage argumentiert, die Firmenaktivitäten gefährdeten den Fortbestand des Ökosystems und das Überleben von Tier- und Pflanzenarten, die die Grundlage der Lebensweise der Áwa im Schutzgebiet sind.

Dem folgte das Gericht: "Die Erdölaktivität verursacht negative Auswirkungen für die Umwelt, die das Leben der Gemeinschaft und ihre kulturelle Struktur angreift. Sie verletzt das Recht auf eine gesunde Umwelt, da sie die Böden und natürlichen Ressourcen schädigt, die unerlässlich für die sozialen Praktiken und die kulturelle Identität, den Erhalt der Gesundheit und Ernährungssicherheit der Gemeinschaft sind", heißt es in der Pressemitteilung zum Urteil.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr