Havanna kritisiert neue "Brain-Drain-Initiative" in den USA gegen kubanische Ärzte

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Ein kubanischer Arzt beim Training für den Einsatz in Sierra Leone. Medizinisches Personal aus Kuba war wesentlich am Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Afrika beteiligt
Ein kubanischer Arzt beim Training für den Einsatz in Sierra Leone. Medizinisches Personal aus Kuba war wesentlich am Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Afrika beteiligt

Havanna. Kubanische Politiker haben den im US-Kongress unternommenen Versuch der beiden Senatoren Robert Menendez (Demokraten) und Marco Rubio (Republikaner) zur Wiederaufnahme des sogenannten Cuban Medical Professional Parole Program kritisiert. Das Programm zur Abwerbung von Ärzten aus Kuba, wurde unter Präsident George W. Bush im Jahr 2006 eingeführt. Im Zuge des Annäherungsprozesses zwischen den USA und Kuba unter Barack Obama wurde es zu Beginn des Jahres 2017 beendet.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel verurteilte das Vorhaben in sozialen Medien als "eine weitere anti-kubanische Kampagne, die das imperiale Unvermögen angesichts revolutionärer Errungenschaften offenbart". Wer dieses Programm unterstütze, sei zu einer zivilisierten Beziehung nicht fähig und von Arroganz geleitet, so Díaz-Canel.

Auch Carlos Fernández de Cossío, Generaldirektor der US-Abteilung im kubanischen Außenministerium, kritisierte über soziale Medien, dass die beiden kubanisch-stämmigen US-Senatoren bereits zahlreiche Kampagnen und Aktionen gegen Kuba durchgeführt hätten. Ihre Abneigung gegenüber dem sozialistischen Inselstaat kenne offenbar keine Grenzen. Die Eltern von Menendez flohen im Jahr 1953, noch vor der Revolution wegen Unzufriedenheit über Diktator Fulgencia Batista in die USA, die Eltern von Rubio flohen im Mai 1956.

Das Cuban Medical Professional Parole Program zielte darauf ab, kubanische Ärzte, Krankenschwestern und weiteres medizinisches Personal im Auslandseinsatz gezielt dazu zu animieren, sich in die USA abzusetzen. Unter anderem wurden Staatsbürgerschaften und Jobs in den USA versprochen.

Das Programm war auch in den USA zunehmend auf Kritik gestoßen. So schrieb etwa die New York Times (NYT) im November 2014, das US-Einwanderungssystem dürfe nicht dazu benutzt werden, die Flucht von Fachleuten aus einem gegnerischen Land anzuheizen. Kuba habe eine der höchsten Indizes an Ärzten pro Kopf der Bevölkerung und biete zudem jedes Jahr Studenten aus verschiedenen Ländern Stipendien für ein Medizinstudium an. Betont wird in dem Artikel außerdem die Arbeit der kubanischen Ärzte im Ausland. Die von den USA geförderte Politik des "Brain Drain" beinträchtige die Fähigkeit Kubas, bei internationalen Krisen aktiv zu werden, so die NYT.

Insgesamt arbeiten aktuell rund 50.000 Mitarbeiter des kubanischen Gesundheitswesens im Ausland, davon 46.000 in Ländern Lateinamerikas und der Karibik und etwa 4.000 in afrikanischen Ländern. Seit der Revolution im Jahr 1959 schickt Kubas Regierung gut ausgebildetes medizinisches Fachpersonal zu humanitären Einsätzen in die Welt, auch um zwischenstaatliche Beziehungen zu pflegen und Einnahmen zu erzielen.

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