Schwuler Abgeordneter verlässt nach Drohungen von Bolsonaro-Anhängern Brasilien

brasilien_jean_wyllys.jpg

Fürchtet in Brasilien um sein Leben: Der homosexuelle PSOL-Politiker Jean Wyllys
Fürchtet in Brasilien um sein Leben: Der homosexuelle PSOL-Politiker Jean Wyllys

Brasília. Der Bundesabgeordnete Jean Wyllys, Mitglied der Partei Sozialismus und Freiheit (Partido Socialismo e Liberdade, PSOL), tritt sein Amt nicht an und verlässt das Land. Er gilt als einer der bekanntesten politischen Aktivisten der LGBTI-Bewegung und entschied sich wegen ständiger Todesdrohungen zu diesem Schritt.

Wyllys, der zum dritten Mal als Abgeordneter des Bundesstaates Rio de Janeiro gewählt wurde, befindet sich derzeit außer Landes und erklärte in einem Interview mit der Folha de S.Paulo, dass er nicht plane zurückzukehren, da er sich um seine körperliche Unversehrtheit sorgen müsse. Er zitierte ein Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten Uruguays, Pepe Mujica, um seine Entscheidung zu begründen: "Er sagte mir, dass Märtyrer nicht immer als Helden in Erinnerung bleiben und dass ich das Recht habe, mein Leben angesichts dieser Bedrohungen zu schützen".

Juliano Medeiros, Vorsitzender der PSOL, bestätigte, dass das Mandat von Wyllys durch den afro-brasilianischen Homosexuellen David Miranda (PSOL-RJ) vertreten werde. Er ist derzeit Ratsmitglied in Rio de Janeiro.

Wyllys ist Mitglied der Partei, genau wie es Marielle Franco war. Sie war Ratsmitglied von Rio de Janeiro und Aktivistin und wurde im März 2018 ermordet, nachdem sie zwei Jahre lang Morddrohungen ausgesetzt war. Seitdem lebt Wyllys unter Polizeischutz.

Vergangene Woche wurde indes eine Verbindung zwischen Flávio Bolsonaro, dem ältesten Sohn des Präsidenten, und dem Hauptverdächtigen bei der Ermordung von Marielle aufgedeckt.

Nach der Bekanntgabe von Wyllys, sein Amt aufzugeben, schrieb Stadtrat Carlos Bolsonaro, Sohn von Jair Bolsonaro, auf Twitter: "Geh mit Gott und sei glücklich!". Und der Präsident selbst twitterte: "Großartiger Tag!".

Wyllys ist einer der lautesten Kritiker der politischen Agenda des neuen ultrarechten Präsidenten.

"Dies war keine leichte Entscheidung und mit großen Schmerzen verbunden, weil ich auch die Nähe zu meiner Familie, meinen lieben Freunden und Leuten, die mich mögen und um mich sein wollen, aufgebe", erklärt er nun der Folha de S.Paulo. Für die Zukunft hat er noch keine konkreten Pläne. "Ich glaube, ich werde sogar nach Kuba gehen", erklärte er ironisch.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr