Repressionswelle gegen politische Gefangene in Kolumbien

gefaengnis_kolumbien_2019_politische_gefangene_eln.jpg

Die ohnehin dramatischen Bedingungen in den Gefängnissen werden nun für ELN-Mitglieder noch verschärft
Die ohnehin dramatischen Bedingungen in den Gefängnissen werden nun für ELN-Mitglieder noch verschärft

Bogotá. Die politischen Gefangenen aus der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) in Kolumbien berichten von massiven Verletzungen ihrer Rechte. Seit dem Angriff der ELN auf eine Polizeikadettenschule in Bogotá im Januar habe sich die Lage für sie drastisch verschlechtert.

In einem Offenen Brief wenden sich die Inhaftierten an die internationale Öffentlichkeit. Darin zeigen sie die Verfolgung seitens der Regierung auf: Seit dem 19. Januar seien demnach ELN-Gefangene verlegt worden und einige in Isolationshaft. Vor allem die Gefangenen, die an den Friedensverhandlungen in Havanna teilnehmen, seien bedrängt worden. Ihnen wurden in den letzten Woche Telefone, Handys und andere technische Geräte abgenommen worden, die ihnen zuvor erlaubt waren, um ihre Arbeit als Berater im Dialog mit der Regierung ausführen zu können. Dies stelle einen Angriff auf die Friedensgespräche dar, berichtet Sabel Castillo Ceballos, ein Sprecher der Häftlinge aus dem Gefängnis in Palmira gegenüber Amerika21: "Die Regierung selbst hat die Genehmigungen erteilt, um die Beteiligung an der Friedensdelegation zu ermöglichen." Diese Kommunikationstechnik werde nun gegen die Gefangenen verwendet und von der Staatsanwaltschaft als Informationsquelle in der Eröffnung weiterer Verfahren genutzt.

Seit dem 8. März befindet sich ein schwerkranker Gefangener in Isolationshaft, jedoch ohne Begründungen seitens der Gefängnisverwaltung. Die Inhaftierten bezeichnen dies als Willkür und Verstoß gegen rechtsstaatliche Grundsätze. Der Gefangene habe keinerlei Kommunikation und die Gefängnisverwaltung INPEC gebe keine Auskunft über seinen Gesundheitszustand.

Das Gefangenenkollektiv "Camilo Torres" fordert von Präsident Iván Duque die Weiterführung der politischen Lösung des Konflikts. Zugleich betont es "den ungebrochenen Willen", Veränderungen im Land herbeizuführen. Die Gefangenen zeigen sich außerdem besorgt über die Mordwelle an Aktivisten und die Kriminalisierung sozialer Bewegungen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr