Venezuela / Militär / Politik

Venezuela: Stromversorgung wiederhergestellt, Regierung setzt Untersuchungskommission ein

Auch Wasserversorgung garantiert. Vertreter der Regierung und Wissenschaftler sollen Ursachen und Verantwortliche für Blackout ermitteln

venezuela_praesident_maduro_stromausfall.jpg

Venezuelas Präsident Maduro bei seiner Ansprache am Dienstag
Venezuelas Präsident Maduro bei seiner Ansprache am Dienstag

Caracas. Nach der weitgehenden Wiederherstellung der Versorgung in Venezuela hat Präsident Nicolás Maduro die Bildung einer Präsidialkommission zur Festellung der genauen Ursachen und Verantwortlichen für den massiven Stromausfall einberufen. Ihr sollen Vertreter von Ministerien (Verteidigung, Inneres und Justiz), Wissenschaftler und der Generalstaatsanwalt angehören. Auch Experten aus China, Kuba, dem Iran und Russland will der Präsident hinzuziehen, da diese Länder "viel Erfahrung in der Abwehr von Cyber-Angriffen haben". Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lu Kang, versicherte bereits, sein Land werde Unterstützung und die notwendige technische Hilfe leisten.

Informationsminister Jorge Rodríguez teilte am Mittwoch mit, dass die Stromversorgung zu 100 Prozent, die Wasserversorgung im Land zu 80 und in der Hauptstadt Caracas zu 70 Prozent garantiert seien. Die verfügten Arbeitsfreistellungen seien aufgehoben, der Unterricht an Schulen und Universitäten werde am heutigen Freitag fortgesetzt. Auch der öffentliche Transport ist nach Regierungsangaben wieder funktionsfähig.

In einer landesweit übertragenen Ansprache am Dienstag hatte Maduro erklärt, Ursache des fünf Tage andauernden Blackout sei "ein Angriff auf das Stromversorgungssystem in drei Phasen" gewesen: Eine Gruppe von Hackern habe zunächst das computergestützte Regulierungssystem des Guri-Staudamms stillgelegt, von dem nahezu 80 Prozent der Stromversorgung abhängt. Dann seien mobile Geräte mit elektromagnetischen Wellen eingesetzt worden, um die Kommunikation und die Reparaturarbeiten zu stören. Schließlich seien Umspannwerke und Verteilerzentren im Land angezündet oder gesprengt worden.

"Wir haben zwei Personen gefangen genommen, die versuchten, das Guri-Kommunikationssystem zu sabotieren. Ich bitte darum, dass die venezolanische Justiz den intellektuellen Autoren dieses gigantischen Schadens, den sie unserem Volk zugefügt haben, nachgeht", sagte er in einer Botschaft an die Nation. Verantwortlich für den "Angriff" seien die US-Regierung und Vertreter der ultrarechten Opposition im Land.

venezuela_stromausfall_baruta.jpg

Arbeiter der staatlichen Corporación Eléctrica Nacional bei der Reparatur eines Umspannwerks in Baruta im Bundesstaat Miranda, das am Sonntagnacht explodierte
Arbeiter der staatlichen Corporación Eléctrica Nacional bei der Reparatur eines Umspannwerks in Baruta im Bundesstaat Miranda, das am Sonntagnacht explodierte

In den vergangenen drei Tagen haben erneut Transformatoren und Verteilerzentren gebrannt. Unter anderem in Teilen der größten Städte des Landes, Caracas und Maracaibo, war die Stromversorgung wieder stundenlang unterbrochen.

Untersucht wird derzeit auch ein Großfeuer auf dem Gelände der Filiale des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA in San Félix im Bundestaat Bolívar. Dort waren am Mittwochabend ein Verdünnungsmittel- und ein Rohöltank mit einem Fassungsvermögen von jeweils 80.000 Liter explodiert. Das Feuer griff auf einen weiteren Tank über. Menschen kamen nicht zu Schaden, die Evakuierung der Bewohner anliegender Siedlungen wurde wegen der starken Hitzeentwicklung vorbereitet.

An diesem Wochendende werden nach Angaben von Informationsminister Rodríguez umfassende Militärmanöver "zum Schutz des Volkes und der strategischen Dienstleistungen der Nation" stattfinden. Rund 114 Kraftwerke und Zentralen zur Wasserversorgung seien einbezogen. Ziel sei zu verhindern, "dass sich in Zukunft neue Angriffe durch die kriminellen Handlungen der venezolanischen Ultrarechten und ihrer Eigentümer wiederholen", erklärte er bei einer Pressekonferenz.

Die Strom- und Wasserversorgung in Venezuela ist seit vielen Jahren durch schlechte Wartung, fehlende Investitionen und einen Mangel an Fachpersonal sowie Sabotage beeinträchtigt. Die Wirtschafts- und Finanzsanktionen der USA haben die Lage weiter verschärft.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr