Agrarland in Uruguay als Investment-Bestseller für transnationale Unternehmen

Internationales Kapital entdeckt vermehrt Ackerland in Uruguay als Anlageobjekt. Langzeitfolgen noch nicht absehbar

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Kauft viel Land für Eukalyptus-Plantagen: Der größte Zellulosehersteller Uruguays, Montes del Plata, an dem die Firmen Arauco (Chile) und Stora Enso (Schweden-Finnland) beteiligt sind. Auch die finnische Regierung hält Anteile
Kauft viel Land für Eukalyptus-Plantagen: Der größte Zellulosehersteller Uruguays, Montes del Plata, an dem die Firmen Arauco (Chile) und Stora Enso (Schweden-Finnland) beteiligt sind. Auch die finnische Regierung hält Anteile

Montevideo. Investoren aus Europa und den USA haben laut Medienberichten zuletzt vermehrt Uruguay ins Auge gefasst, um in großem Umfang lukrativ in Land zu investieren und Ackerflächen als Analageobjekt zu vermitteln. Insbesondere die deutsche Firma Do Investment AG hat sich dort unlängst auf der Suche nach Gewinnen und hohen Renditen hervorgetan.

Seit dem Krisenjahr 2008 werden in Südamerika in zunehmend große Landflächen an internationale Investmentfirmen verkauft. Vor allem die Mitgliedsländer des Wirtschaftsbündnisses Markt des Südens (Mercosur) sind davon betroffen. Hunderttausende von Hektar Acker- und Weideland befinden sich heute im Besitz von Konzernen, zu deren Teilhabern selbst ausländische Regierungen zählen.

Doch auch China, Saudi-Arabien und Südkorea betreiben solche Investitionen. Dabei geht es zum einen um Gewinne durch Preisspekulationen beim An- und Verkauf, aber ebenso um das Verpachten derLändereien an Produzenten im großformatigen Anbau von transgener Soja, Mais oder Weizen.

In den letzten 40 Jahren hat sich das nutzbare Agrarland der Erde halbiert, die Weltbevölkerung hingegen verdoppelte sich. Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist enorm gestiegen. Das treibt die Hektarpreise nach oben.

In Uruguay beschleunigt auch der boomende Bedarf an Eukalyptusholz für die Zelluloseherstellung der zwei großen Anlagen von UPM und Montes de Plata diesen Prozess. An den Unternehmen ist die finnische Regierung beteiligt, zusammen mit Kapital aus Finnland, Schweden und Chile.

Bereits 2011 warnte die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen: "Die Regierungen der Region müssen sicherstellen, dass die Prozesse der Landkonzentration und des ausländischen Landbesitzes nicht negative Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit, auf die Arbeitsplätze und auf die Entwicklung der Familienbetriebe in der Landwirtschaft haben".

Doch auch die Frage, ob der ausländische Landkauf nicht die Souveränität eines Landes über sein Territorium in Frage stellt, beschäftigte seitdem die Öffentlichkeit im Mercosur-Raum. So gab es verschiedene Gesetzesinitiativen, um diesem Grenzen zu setzen.

In Brasilien wurde unter der Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eine Obergrenze von 25 Prozent des nationalen Territoriums festgelegt. Außerdem dürfen in Grenzgebieten keine Ländereien von Nicht-Brasilianern erworben werden.

Argentinien limitierte 2011 den nicht-argentinischen Landkauf auf 15 Prozent seines Territoriums.

Im Jahr 2014 verabschiedete Uruguay ein Gesetz, das den Ankauf von Land durch anonyme Gesellschaften oder durch fremde Staaten verbietet. Aktiengesellschaften müssen ihre Teilhaber offenlegen.

Der amtierende LandwirtschaftsministerEnzo Benech äußerte damals: "Das Gesetz macht klar, dass ausländische Staaten in Uruguay kein Land kaufen können."

Allerdings wird im Artikel 3 des Gesetzes eine Hintertür offengelassen: Falls solche Gesellschaften ein Produktionsprojekt vorlegen, das sich an den Entwicklungsstrategien des Landes orientiert, Arbeitsplätze schafft und zur Erhöhung der Produktivität beiträgt, kann sie die Regierung auch zulassen, selbst wenn fremde Staaten Kapitaleigner sind. Dies sei bei den riesigen Zellulosefabriken (aus Finnland und Schweden) in Uruguay der Fall.

Insgesamt gibt es noch keine Obergrenze für den Landerwerb. In den vergangenen 18 Jahren wechselten rund acht Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche den Besitzer. Etwa 40 Prozent des produktiven Landes Uruguays sind heute in Händen von ausländischen Investoren. Jährlich verlassen rund tausend bäuerliche Familien ihre Betriebe. Diese kulturelle Entwurzelung schafft neue Probleme in der uruguayischen Gesellschaft.

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