Argentinien / Politik

Kirchner meldet Kandidatur für das Amt der Vizepräsidentin in Argentinien an

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Kandidiert überraschend für das Amt der Vizepräsidentin: Cristina Kirchner
Kandidiert überraschend für das Amt der Vizepräsidentin: Cristina Kirchner

Buenos Aires. In einer Videobotschaft hat die frühere Präsidentin von Argentinien, Cristina Fernández de Kirchner, am Samstag ihre Kandidatur für die Vorwahl angekündigt ‒ überraschend jedoch als Vizepräsidentin mit Alberto Fernández als Präsidentschaftskandidat.

Fernández, Anwalt und Professor für Strafrecht an der Universität Buenos Aires, war Kabinettchef während der Regierung Nestor Kirchners (2003-2007). In der ersten Amtsperiode von Cristina Kirchner hatte er sich von ihr entfremdet und danach eine Zeitlang bei der Partei Peronismo Renovador von Sergio Massa mitgewirkt. In letzter Zeit hatte er sich jedoch erneut der Ex- Präsidentin angenähert. Kürzlich dankte sie ihm bei der Vorstellung ihres Buches bei der Buchmesse in Buenos Aires für die Anregung, dieses zu schreiben.

Seit Monaten wurde darüber spekuliert, ob Kirchner erneut antreten würde und wenn ja, in Kombination mit wem. Mit der heute vorgestellten Kombination hatte kein Kommentator gerechnet. Es dürfte möglicherweise ein intelligenter Schachzug sein: Zusammen und in dieser Reihenfolge könnten sie die bisher fehlende Einheit der Partei wiederherstellen, die es in den letzten drei Jahren Präsident Mauricio Macri leicht machte, trotz Minderheit im Parlament zu regieren.

Fernández gilt als konziliant und hat gute Verbindungen zu den Teilen der peronistischen Partei, die Kirchner nicht direkt folgen würden. Sie dagegen bringt die Masse der Wähler auf, die Fernández vermutlich nicht mobilisieren könnte. Die zweitrangige Position hat auch ihren Vorteil: Der Vizepräsident hat in Argentinien zugleich den sehr wichtigen Vorsitz des Senats inne.

Kein anderer peronistischer Politiker schneidet in den Umfragen derzeit so gut ab wie Kirchner. Seit Monaten steigen ihre Umfragewerte, während die des aktuellen Präsidenten sinken. Einige Studien gaben ihr zuletzt sogar Chancen, in der ersten Runde zu siegen. Die zahlreichen Prozesse, mit denen sie überzogen wurde, haben entgegen den Erwartungen der Regierung ihre Popularität nicht nachhaltig geschwächt. Die Enthüllungen über Justizmanipulationen die aktuell aufgedeckt werden, stärken dagegen zusehends ihre Position.

In der Regierungskoalition wurde deshalb bereits erwogen, Macri aus dem Rennen zu nehmen und ihn durch die Gouverneurin der Provinz Buenos Aires, Maria Eugenia Vidal, zu ersetzen. Diese ist jedoch anscheinend nicht zu diesem Wechsel bereit und spekuliert eher auf eine Wiederwahl als Gouverneurin als auf eine sehr riskante Präsidentschaftskandidatur.

Der stärkste Oppositionskandidat neben Fernández und Kirchner ist der siebzigjährige Roberto Lavagna, ehemaliger Wirtschaftsminister unter Präsident Eduardo Duhalde und in den ersten zwei Jahren unter Nestor Kirchner, der in den Umfragen weit zurück liegt und in den Vorwahlen der peronistischen Partei wohl geringe Chancen hätte.

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